Schwierigkeitsgrad   Moderat

Zeit  10 Stunden 58 Minuten

Koordinaten 3661

Uploaded 5. Oktober 2015

Recorded Juni 2011

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2.907 m
566 m
0
6,2
12
24,8 km

angezeigt 608 Mal, heruntergeladen 5 Mal

bei Schwändi, Kanton Glarus (Swiss Confederation)

Glärnisch-Hattrick (Vrenelisgärtli 2904m über Guppengrat, Ruchen 2901m SE-Grat, Bächistock 2914m über Schwander Grat)



(Blick auf Vrenelisgärtli 2904m Guppengrat und Chanzle 2604m)


Start in Schwändi Niderrüti Pkt. 683m. Auf der Fahrstrasse schwach ansteigend, und somit schön langsam in die Gänge kommend, bis Leuggelenberg ca. 925m aufgestiegen. Bei den zwei Hütten dann auf den beschilderten Wanderweg rechts abgebogen, und ziemlich steil dafür zügig, in vielen Kehren, durch den Leuggelenwald hinauf nach Achseln, an den Lawinenverbauungen vorbei und weiter nach Guppen-Oberstafel Pkt. 1658m. Auf der Guppenalp gäbe es Übernachtungsmöglichkeiten.

Nach einer ersten kleinen Pause folgte der zweite Abschnitt, der Aufstieg im Banne des Turms hinauf zum Firnfeld unter der Chanzle. Direkt vom Brunnen weg führt ein Alpweg hinauf nach Heuberg, anschliessend auf schwachen Wegspuren (Markierung, weisser Kreis mit Pfeil) über die schrofendurchsetzte Wiese und später Geröll östlich am Mittelstock Pkt. 1995m vorbei. Nun an den linken Rand der Schutthalde und linksabbiegend in leichter Kletterei auf den sonnigen Gratrücken hinauf (weitere Markierung), wunderschön! Nun meist dem Grat folgend, ab und zu nach links (westlich) ausweichend, bis unter den markanten Turm aufgestiegen. Die Kletterstellen sind anregend und bewegen sich höchstens im II. Schwierigkeitsgrad. Das Gelände ist eher brüchig und bedarf einiger Vor- und Umsicht, mit einem Helm ist man hier sicher gut beraten, vor allem wenn sich noch weitere Tourengänger auf dem Grat befänden.

Nach einem weiteren Carbo-Reload beim Ober Firnband hatten wir einer Wegspur folgend auf die linke Seite des Turms gequert, und sind schliesslich nicht durch die steinschlägige Rinne, sondern über die vom Tau durchnässte, mit Schrofen durchsetzte, steile Grasflanke aufgestiegen (Wegspuren), bis wir schliesslich zu einem Sporn gelangten, dessen Überwindung über eine griffarme Platte mit vertikalem Riss erfolgte (Crux, III). Diese Kletterstelle ist kurz und eigentlich nicht schwierig (zuerst Piaz, dann Spreizschritt, zuletzt Hand- resp. Armjam), dafür ziemlich ausgesetzt! Man könnte hier mit einigen Friends aber gut sichern (Cam 0.75, 1), falls man sowieso ein Seil dabei hat. Im Abstieg gilt es diese Stelle zu meiden. Man könnte natürlich darüber abseilen, von oben gesehen etwas rechts (westlich) davon kann man aber einfacher durch eine Rinne mit Klemmblock ab- resp. aufsteigen (erst später nachgelesen in diesem Bericht). Nachdem wir die Platte mühelos überwunden hatten, ging es unschwierig weiter über einige Felsen mit fantastischen Silex-Einschlüssen (Chickenheads) hinauf zum Firnfeld unter der Chanzle, bereits mit bester Sicht auf den noch sehr eindrücklich daherkommenden Guppengrat.

Der dritte Abschnitt führte uns nordseitig hinauf zur Chanzle 2604m und zuletzt über den luftigen SE-Grat (Guppengrat) auf den Gipfel des Vrenelisgärtlis. Zuerst überquerten wir das Firnplateau bis an den Fuss der Chanzle, danach hatten wir leicht ansteigend nach rechts bis unter die steile Firnflanke gequert. Der vielerorts erwähnte Bergschrund war zwar bereits offen aber noch gut passierbar, und so erreichten wir über die kurze Schneeflanke problemlos die Chanzle (bei Ausaperung wird diese über heikle Platten erreicht). Der Guppengrat sah von hier nun schon viel zamer aus und war es dann schliesslich auch, ohne Schwierigkeiten erreichten wir nach einigen sehr anregenden Klettermetern mit prächtiger Aussicht den höchsten Punkt.

Da uns auf dem Gipfel ein kühler Wind entgegen blies, und wir keine Lust hatten einen Pulli anzuziehen, machen wir uns sogleich an den Abstieg Richtung Schwander Grat. Einzelne Absätze abkletternd erreichten wir wenige Minuten später den Verbindungsgrat zwischen Vrenelisgärtli und Pkt. 2860m des Schwander Grats. Um Stauzeiten zu vermeiden, wurde der felsige Übergang zwischen den beiden Graten mit zwei Ketten versichert und hübsch beschildert - eine Kette für den Aufstieg, die andere für den Abstieg - Strafzettel verteilt hier allerdings niemand ;-) Nachdem wir die Felsstufe rasch überwunden hatten, querten wir leicht absteigend über den Glärnischfirn hinüber zum SE-Grat des Ruchen. Die Rucksäcke deponiert, und in anregender Kletterei (II) durch die Südflanke hinauf zu Pkt. 2861m. Kurze Zeit später erreichten wir über den nun flachen SE-Grat den höchsten Punkt des Ruchen. Der Ausblick u.a. auf die vielen Wägitaler Gipfel, aber v.a. die Tiefblicke auf den Klöntalersee und ins Chalttäli waren grandios!


(Ruchen 2901m S-Flanke, links davon die Glärnischnadle 2852m)


Als wir das Panorama eingesogen hatten, machten wir uns bald schon wieder an den Abstieg. Zurück zu Pkt. 2861m, und dieses Mal die leichteste Linie suchend hinunter zum Depot. Nachdem unsere Kohlehydratspeicher wieder gefüllt waren, starteten wir Richtung Bächistock Pkt. 2915m (Wetterstation), welchen wir über den vermeindlich brüchigen NE-Grat erreichen wollten. Schnell hatten wir den Glärnischfirn überquert und den Windkessel nördlich von Pkt. 2755m erreicht. Mit zunehmender Steilheit stiegen wir in bestem Trittschnee die Flanke hoch bis an den Wandfuss, bei hartem Schnee wären hier Steigeisen angebracht, da es südseitig ziemlich weit auf den Guppenfirn hinunterginge. Nun leicht linkshaltend, die beste Linie suchend, bis auf den luftigen NE-Grat aufgestiegen, welchen wir rechts eines auffälligen Gendarmen erreichten. In der Flanke lag in der Tat erschreckend viel loses Gestein, somit mussten alle Griffe und Tritte überprüft werden, allerdings fanden wir auch solides und gut kletterbares Gestein, wo man allenfalls sogar mit Schlingen Zwischensicherungen resp. Stände einrichten könnte. Anschliessend in anregender Kletterei (II) über den NE-Grat, bis sich dieser zurücklegte und die Schwierigkeiten umgehend vorbei waren. Das Gestein war bis auf wenige Stellen fest und sehr schön zu klettern, wir hatten uns das auf Grund der Internetrecherche viel schlimmer vorgestellt. Lediglich eine Einzelstelle über einen exponierten, und leider etwas brüchigen Pfeiler verlangte erhöhte Aufmerksamkeit. Den Downgrade auf der E-Skala nahmen wir natürlich dankend entgegen, und nach einem einfachen Firnaufschwung erreichten wir wenig später die Wetterstion des Bächistocks Pkt. 2915m.


(Bächistock Pkt. 2915m links und Pkt. 2914m rechts, Schwander Grat)


Die Wetterstation war jedoch nur ein Zwischenstopp ohne Pause, wir wollten umgehend weiter zum Bächistock 2914m Hauptgipfel. Auf dem Schwander Grat erreichten wir über Pkt. 2911m den Bächistockfirn und den felsigen Gipfelaufbau des Bächistocks. Auf Wegspuren und in leichter Kletterei folgten wir unschwierig dem Grat bis zum Kreuz (T5). Von hier genossen wir die fantastische Aussicht bis weit ins BEO und Wallis, und gratulierten uns zum erfolgreichen Glärnisch-Hattrick, ohne wirklich an unsere Grenzen gestossen zu sein. Natürlich blieb uns noch der lange Abstieg hinunter ins Klöntal.

Nach ausgiebiger (Vor)Mittagsrast machten wir uns schliesslich an den Abstieg Richtung Glärnischhütte 1990m. Da wir über die Verhältnisse im unteren Couloir nicht Bescheid wussten, entschlossen wir uns bereits während der Gipfelrast, den kurzen Gegenanstieg zurück Richtung Pkt. 2915m in Kauf zu nehmen, und durch das obere (grosse), noch gut gefüllte Couloir abzusteigen. Nach einer Felsstufe zu Beginn des Couloirs konnten wir zuletzt 200hm bequem das Couloir hinuntersurfen, und erreichten so nur wenige Minuten später den Glärnischfirn. Danach querten wir in westlicher Richtung dem Wandfuss entlang, am unteren Couloir vorbei, gegen die Felsinsel Pkt. 2373m (das untere Couloir wäre heute ebenfalls möglich gewesen). Anschliessend zügig und gelenkschonend über nicht mehr ganz durchgehende Firnfelder, immer dem Bach folgend, bis ca. 2200m hinuntergesurft, dann die treppenartigen Felsstufen nach NE abgestiegen und weglos zur schön gelegenen Glärnischhütte gequert (T5).

Nach einer kleinen Erfrischung machten wir uns in Badehosen an den Abstieg ins Tal. Der Weg hinunter nach Wärben Pkt. 1385m ist steil und abwechslungsreich, der letzte Abschnitt auf der Naturstrasse über Chäseren 1272m (ab hier möglicher Taxidienst) nach Hinter Klöntal Plätz Pkt. 853m dagegen umso langweiliger und never ending. Zehn Minuten später fuhren wir mit unserem angepeilten Postauto hinunter nach Glarus, und gelangten per Taxi zurück nach Schwändi.

Merci Dani für diesen super Tag - da hat von A-Z einfach alles gepasst!

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Die Zeiten:
//Vrenelisgärtli
Start Pkt. 683m in Schwändi um 03.32 Uhr.
Ankunft Guppen-Oberstafel Pkt. 1658m um 05.15 Uhr (10min Pause).
Ankunft Vrenelisgärtli 2904m um 08.15 Uhr.
//Ruchen
Start Vrenelisgärtli 2904m 08.15 Uhr.
Ankunft Ruchen 2901m 09.15 Uhr.
//Bächistock Pkt. 2915m
Start Ruchen 2901m 09.25 Uhr.
Ankunft Bächistock Pkt. 2915m um 10.38 Uhr.
//Bächistock Pkt. 2914m (Hauptgipfel)
Start Bächistock Pkt. 2915m um 10.39 Uhr.
Ankunft Bächistock Pkt. 2914m um 11.05 Uhr.
//Glärnischhütte
Start Bächistock Pkt. 2914m um 11.25 Uhr.
Ankunft Glärnischhütte 1990m um 12.27 Uhr.
//Klöntal Plätz
Start Glärnischhütte 1990m um 12.43 Uhr.
Ankunft Klöntal Plätz Pkt. 853m um 14.20 Uhr.

Total 10h50min (2700 Höhenmeter, 22.7km Distanz)

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GPS-Profil


GPS-Tracks


Wegpunkte
Die Wegpunkte der gesamten Tour können hier heruntergeladen werden (gpx file).

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Bemerkungen:
Der Guppengrat auf's Vrenelisgärtli gilt als DIE T6-Referenztour, und darf trotz Wandercharakter nicht unterschätzt werden. Der Aufstieg ist kompromisslos und das Gelände wild, und er bietet abseits der Massen viel Natur und fantastische Tiefblicke.

Nachem man vom Bächistock via oberes (grosses) oder unteres Couloir abgestiegen ist, vermeidet der Weiterweg dem Firnbach entlang (schwach ausgeprägte Schlucht) die Querung des Glärnischfirns bei der Spaltenzone, und bietet Dank vorhandenem Altschnee einen raschen und bequemen Abstieg. Dies ist übrigens auch die Winterroute auf den Bächistock.

Der Pickel war angenehm (Aufstieg zur Chanzle, Schwander Grat) und der Helm sinnvoll, so bewegt man sich über längere Zeit in einem regelrechten Geschirrladen. Der Gletscher war auf unserer Route noch durchwegs schneebedeckt (wenn auch stellenweise dünn), der Schnee nicht hartgefroren und mit Bergschuhen bestens gangbar, die Steigeisen hatten wir somit umsonst mitgetragen.

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