Woge

Koordinaten 658

Hochgeladen 16. Juli 2018

Aufgezeichnet Juli 2018

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9,53 km

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bei Frankenbach, Hessen (Deutschland)

Die Wüstungen Gilbertshausen und Melmertshausen in Biebertal

Die Wanderung beginnt und endet in Biebertal, Ortsteil Frankenbach, am Dorfbrunnen in der Kirchstraße. Dort befindet sich auch das Heimatmuseum, das vom Heimat und Geschichtsverein Frankenbach gegründet wurde und verwaltet wird.
Weitere Sehenswürdigkeiten erreichen wir bereits nach ca. 130m.
Die Evangelische Kirche in Frankenbach ist ein hessisches Kulturdenkmal. Ein Pfeiler aus rotem Sandstein (vermutlich aus einer romanischen Vorgängerkapelle) in dem die Jahreszahl 1027 eingehauen war, ist nach der letzten Instandsetzung verschwunden.
Die Linde an der Kirche ist bei der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Gießen als Naturdenkmal gelistet.

Die Beschaffenheit der Wege besteht (bis auf die Exkursionen zu den Wüstungen) aus gut befestigten, größtenteils asphaltierten Wirtschaftswegen. Der Weg ist nicht markiert!
Nach einem kurzen Anstieg erreichen wir einen Panoramaweg der weit ins Marburger Land blicken lässt. Die Grillhütte Frankenbach kann sowohl auf dem Weg zu den Wüstungen wie auch auf dem Rückweg zur Rast genutzt werden.

An Hirschgehege und Fischteichen vorbei, erreichen wir auf einem ansteigenden Wiesenweg wieder einen Asphaltweg. Am Asphaltweg biegen wir zunächst wieder auf einen Wiesenweg rechts ab und gelangen nach ca. 130m zu der ersten Wüstung Gilbertshausen. Wer dann den Wiesenweg abwärts von Pos. 13 nach Pos. 14 geht und seine Fantasy spielen lässt, sollte in dem Wiesenweg die Dorfstraße erkennen und auf der rechten Seite des Weges die Gehöfte von Gilbertshausen. Auf der linken, dem Wald zugewandten Seite waren die Ackerflächen, in diesem Zeitraum noch in Langstreifenflure unterteilt, die sich bis zum Wald erstreckten. Diese sind noch heute auf dem Luftbild zu erkennen.
Mit etwas Glück und zeitlichem Stand der Vegetation können auch die Flächen der einstigen Hofstätten durch unterschiedlichen Bewuchs erkannt werden. Die Wände der Gehöfte wurden jahrhundertelang mit Kalkschlämme geweißt. Der Kalk sickerte in das Erdreich ein und bewirkt noch heute einen Einfluss auf das Pflanzenwachstum.
Die einstige Siedlung Gilbertshausen geht mit Sicherheit auf fränkische Ursprünge zurück und könnte schon um 700 n. Chr. bestanden haben. Sie lag im freien Feld und wird aus acht Gehöften bestanden haben, die aus Holz und Lehm gefertigt waren. Ständig sprudelnde, eingefasste Wasserstellen sicherten die Wasserversorgung.
Die Bewohner von Gilbertshausen lebten vorrangig von Landwirtschaft, aber auch die Wälder der nahen Umgebung wurden zur Jagd, sammeln von Honig und Eicheln für die Schweinemast genutzt.
Die Wirkung von Dünger war zu dieser Zeit noch nicht bekannt. Damit die Äcker nicht völlig auslaugten, wurden sie jedes zweite Jahr brach liegen lassen. Nach Recherchen wurde Gilbertshausen um 1400 n. Chr., also 50 Jahre später als Melmertshausen verlassen und somit “wüst“.
Zurück auf dem Asphaltweg verläuft der Weg dann am Waldrand entlang bis zu den Holztafeln mit der Beschriftung: “Die ehemalige Siedlung Melmertshausen“. Ab dieser Position führt der Weg dann durch den Wald bis zum ehemaligen Dorfplatz bzw. Hof D. Man kann sich den Ortsplatz in der Mitte der Siedlung noch vorstellen. Die fünf wannenartigen Wandeinbrüche der einstigen Hofstätten sind links und rechts der Dorfstraße noch gut zu erkennen.
Auf der „Dorfstraße“ geht es dann bis zu den Wandeinbrüchen von Hof A. Die Siedlung hatte eine Ausdehnung von Hof A bis zu Hof G. (etwa Höhe Grenzstein, Pos. 19,) Der Grenzstein (Großherzogtum Hessen/Königreich Preußen) soll nur als Anhaltspunkt dienen, als er gesetzt wurde bestand die Siedlung schon seit ca. 400 Jahren nicht mehr. Die Fläche vom Ortsplatz bis zum Grenzstein ist inzwischen verwachsen und kann schlecht begangen werde.
Melmertshausen lag auf einem Höhenrücken und war freigerodet. Die Dorfstraße verlief auf dem Kamm. Es wird vermutet, dass die Siedlung aus fünf bis sieben Haus,-und Hofstätten bestanden haben muss. Die Bewohner von Melmertshausen waren soweit bekannt, Waldschmiede und hatten nur eine kleine Feldfläche unter dem Pflug. Ein rechteckiger und ein runder Erdaufwurf deuten auf Eisenverhüttung hin. Die Bewohner trieben Handel mit Eisenprodukten und tauschten gegen Lebensmittel mit den Bewohnern von Gilbertshausen und evtl. auch darüber hinaus.
Im Gegensatz zu der Wasserversorgung von Gilbertshausen mussten sich die Bewohner von Melmertshausen aus dem 30m tiefer gelegenen Versbach mit Wasser versorgen.
Man geht davon aus, dass Melmertshausen um 1350 verlassen (wüst) wurde.

Der Rückweg nach Frankenbach verläuft dann wieder komplett auf einem Asphaltweg.
Ein Besuch im Heimatmuseum könnte dann noch ein lohnender Abschluss der Tour zu den Wüstungen sein.

Die Wanderroute ist durch freundliche Unterstützung, Führung und Infomationen durch den Ersten Vorsitzenden des Heimat,- und Geschichtsverein, Herr Ekkehardt Löw enstanden. Führungen im Heimatmuseum und zu den Wüstungen können bei dem Heimat,- und Geschichtsverein Frankenbach angefragt werden.

Nach ca. 3,2 km (Abzweig am Fischteich) bietet sich die Möglichkeit zu einer 2,2 km langen Extraschleife zu den Standorten der ehemaligen Rennöfen in den Braichten.
Weitere Informationen mit dem Link "Mehr anzeigen"

{wanderaktivitätenwogebiebertal}

Mehr anzeigen external

Dorfbrunnen Frankenbach
Kirche
Linde an der Kirche Frankenbach
Ehemalige Siedlungsfläche Gilbertshausen
Ehemalige Siedlungsfläche Gilbertshausen
Ehemaliger Dorfplatz und "Hof D"
Ehemalige Dorfstraße auf dem Höhenrücken Melmertshausen
Wandeinbrüche von "Hof A" Melmertshausen
Heimatmuseum vom Heimat,- und Geschichtsverein Frankenbach

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