Woge

Koordinaten 181

Hochgeladen 6. Dezember 2018

Aufgezeichnet Dezember 2018

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283 m
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1,1
2,23 km

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bei Weipoltshausen, Hessen (Deutschland)

Abzweigend von der Wanderroute:
„Die verlassenen Siedlungen Gilbertshausen und Melmertshausen in Biebertal Frankenbach,“
bietet sich die Möglichkeit auf einer 2,2 km langen Extraschleife die Standorte von ehemaligen Rennöfen zu besichtigen. Noch heute ist der Waldboden mit Schlackeresten von Schmelzeprozessen übersäht, die vor hunderten von Jahren stattfanden.
Die Extraschleife zweigt nach ca. 3,2 km (am Fischteich) vor dem Hinweisschild “In der Schafbach“ von der Route ab und verläuft auf dem Feldweg geradeaus weiter. Die 2,2 km beinhalten den Hinweg und zurück zur Wanderroute.
Spaziergänger entdeckten im Jahr 2000, in einem kleinen Seitental in Frankenbach vier merkwürdige Hügel, die eine gewisse Systematik aufwiesen. Bei näherer Untersuchung stellten sie fest, dass der Waldboden mit Schlacke übersäht war.
Der einbezogene Heimat,-und Geschichtsverein Frankenbach und der Kreisdenkmalpfleger bestätigten, dass es sich um Schlacke aus der Eisenschmelze handeln müsste.
Der Vorsitzende vom Heimat- und Geschichtsverein machte weiterhin auf die Besonderheit der Lage der Fundstelle aufmerksam und stellte die Vermutung auf, dass es sich um Rennöfen handeln müsse. Anlagestätten dieser Schmelzöfen und Kohlenmeiler an Bächen und Waldrändern waren schon in keltischer Zeit als günstig erachtet, und die Nähe zu Wasser vorteilhaft.
Wie die Funde am Dünsberg gezeigt haben, waren die Kelten bereits Meister in der Verarbeitung von Eisen. Im Keltenmuseum “Keltenkeller“, in der Gemeindeverwaltung Biebertal sind viele Fundstücke ausgestellt. Sie lassen erahnen, mit welch handwerklich geschickten Techniken diese diffizilen Schmiedearbeiten hergestellt worden sind.
>https://www.verein-keltenwelten.de/keltische-staetten/biebertal-rodheim-bieber-museum-keltenkeller<

Im 14. Jahrhundert entstanden dann an den Wasserläufen Hammerwerke (die Vorläufer der großen Eisenhütten) und die Qualitätsanforderungen wurden gesteigert. Die Verhüttung mit diesen einfachen Öfen konnte diese Anforderungen nicht mehr gewährleisten, was wohl zum Ende der Rennöfen in den Braichten geführt haben könnte.
Die Siedler von Melmertshausen waren soweit bekannt Waldschmiede, dass auch ein Teil der Bewohner sich in der Verhüttung von Eisen übte ist eine Vermutung. Die Frage stellt sich auch, wie die Eisenerze aus den bekannten Abbaustätten von Biebertal antransportiert wurden.
Es ist davon auszugehen, dass spätestens mit dem Wüstwerden der Siedlungen Gilbertshausen und Melmertshausen, der Unwirtschaftlichkeit und dem beginnenden Verdorfungsprozess der Betrieb der Rennöfen eingestellt wurde.
Die Extraschleife zu den Rennöfen ist durch freundliche Unterstützung, Führung und Infomationen durch den Ersten Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsverein Frankenbach, Herr Ekkehardt Löw entstanden.


{aktivitätenwogebiebertal}

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Die Bezeichnungen der Flurnamen sind alle auf einen historischen Hintergrund zurückzuführen. Z.B. “In der Schafbach“: Nutzung der Fläche durch Schafe......…..“Vor dem weissen Thal“: Weist wahrscheinlich auf blühende Sträucher hin, die mit ihrem Flor das Tal während der Blütezeit in helles Licht tauchen. Möglicherweise handelt es sich um bestimmte Sträucher……“Auf der Gemeinde-Waid“: Wiesenfläche, die von allen Bewohnern mit gleichem Recht genutzt werden durfte.
Die Bezeichnung “Auf der Stock-hecke“: weist auf Rodung von Wald und Sträuchern hin, um Land für Ackerbau zu gewinnen...………….. "Auf dem Heldmann": Ein Heldmann ist ein freier Bauer, ein Erbbauer, der sein Eigentum ohne Einschränkungen und ohne Besteuerung durch einen Vorgesetzten an seinen Nachfolger(Sohn) weitervererben darf.
Der Schlacke-Fundort liegt an einem Nebenbach der Vers, in einer feuchten sumpfigen Bruchlandschaft mit der Ortsbezeichnung „Braichten“. Bereits 800 v. Chr. wurde von den Kelten Eisenerz bergmännisch gewonnen und in kleinen Rennöfen aus gemauertem Lehm oder Ton verhüttet.
Die Rennöfen mussten nach jedem Schmelzprozess zerstört und für die nächste Eisenschmelze neu aufgebaut werden. Beim Aufmauern des Rennfeuerofens schichtete man im Inneren abwechselnd Eisenerz und Holzkohle aufeinander und übermauerte die Schichten mit Lehm oder Ton. Nur ein Schlot als Rauchabzug wurde offengelassen. Wenn die Holzkohle zum Glühen gebracht worden war, konnten mit Hilfe eines Blasebalg Temperaturen von bis zu 1000 Grad erreicht werden. Die Eisenschmelze (Luppe, oder Ofensau) sammelte sich (weil schwerer) am Boden des Ofens, während sich die leichteren Schlacke-Rückstände im oberen Teil des Ofens ansammelten und durch eine Abflussrinne separiert wurde. Mit dieser Technik konnte jedoch das Eisen nicht vollständig aus dem Erz herausgeschmolzen werden.
Die verschiedenen Prozessschritte benötigten ihre jeweiligen Zeitphasen: Aufschichten/aufmauern, Trocknung der Lehmhülle, Befeuern/schmelzen und die Abkühlphase. Um den Betrieb ständig in Gang halten zu können, ist es verständlich, dass mehrere Öfen abwechselnd bedient wurden. Nach der Abkühlphase konnten nun die Eisenklumpen entnommen werden. Dazu musste der Ofen zerschlagen werden. Mit der Entwicklung der Eisenverhüttung hatte sich auch ein neuer Berufszweig auf die Verarbeitung dieser Eisenklumpen spezialisiert. Der Schmied bearbeitete nun diese Eisenklumpen weiter. Dazu wurde das Eisen wieder zum Glühen gebracht und auf einem Stein, später Amboss zu Waffen, Werkzeugen, Wagen,-bzw. Pferdegeschirr und Artikel zum täglichen Gebrauch weiterverarbeitet.
Ein weiterer Berufszweig, der für die Verhüttung von Eisenerz erfoderlich war, ist der Beruf des Köhlers. Um das Eisen aus dem Erz zu schmelzen wurde Holzkohle benötigt. Das Holz musste dazu in einem Kohlenmeiler verschwelt werden. Schon aus logistischer Sicht hatte es Vorteile die Kohlenmeiler an Waldrändern zu errichten. Es ist aber anzunehmen, dass die benötigte Holzkohle für die Rennöfen in den Braichten, von den Kohlenmeilerstätten des Dünsbergsgrund bezogen wurden. So ist die Stätte des Köhlers im „Kammerlohn“ (Entfernung ca. 4km) noch heute, sowohl im Profil des Platzes, wie auch in der Bodenfärbung deutlich festzustellen.

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