Zeit  3 Stunden 39 Minuten

Koordinaten 736

Hochgeladen 17. Februar 2019

Aufgezeichnet Februar 2019

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10,5 km

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bei Königsberg, Hessen (Deutschland)

Die Wanderung besteht aus:
- Teil 1, der östlichen Rundtour: Parkplatz Obermühle - Bieber-Fellingshausen.
(Eine von Franz Gareis geführte Wanderung fand am Sa. 23.02.2019 um 9:30 ab Parkplatz Obermühle statt)
- Teil 2, der westlichen Rundtour: Parkplatz Obermühle - Königsberg. Sie führt zu den höchstgelegenen Bergbaustätten der Gemeinde Biebertal. Jede Runde ca. 10 -11 km

1. Die östliche Route verläuft zunächst auf dem Kelten-Römerweg bis zum Tagebau Thiergarten, dann nach Bieber und weiter nach Fellingshausen. Sie beinhaltet die Gruben: Abendstern, Friedberg, Elisabeth, Eleonore, und Meilhardt.
Die Start/Ziel-Position am “Parkplatz Obermühle“ befindet sich relativ zentral, zwischen den Biebertaler Ortsteilen Bieber und Königsberg. Der Parkplatz ist mit dem öffentlichen Nahverkehr (Bushaltestelle) zu erreichen. Die beiden Touren können von ambitionierten Wanderern auch zusammengefasst in einer Tagestour (ca. 21 km) absolviert werden.
Einkehrmöglichkeiten bieten sich bei beiden Touren in: Bieber, Fellingshausen, Königsberg, oder nach der Tour in den näher gelegenen Biebertaler Ortsteilen. Die Öffnungszeiten sollten vorher abgefragt werden. Die Strecke ist nicht markiert! Interessierte die nicht ortskundig sind, können die GPS-Daten nutzen, um die relevanten Orte des Biebertaler Bergbaus in der Landschaft zu erkennen. Die Wanderung soll einen Rückblick auf die Montangeschichte von Biebertal ermöglichen. Viele Bauwerke und Anlagen, die der Bevölkerung um den Dünsberg ihren Lebensunterhalt zur Landwirtschaft aufbesserten, sind nicht mehr vorhanden. Mit Hilfe von Bildern und kurzen Beschreibungen zu den Wegpunkten sollen die Relikte der vergangenen Bergbaugeschichte in diesen Wanderungen aufgezeigt werden. Bei entsprechendem Wanderwetter bieten sich zudem interessante Naturlandschaften, Panoramen und traumhafte Fernblicke. Wie an den Bildern erkannt werden kann, bietet die Wanderung in der wärmeren Jahreszeit ein farbenreicheres Panorama, dagegen lassen sich die Bodenveränderungen (Halden, Tagebausenken) in der unbelaubten Jahreszeit besser erkennen.

Nähere Informationen bietet z.B. das Buch “Erzbergbau in Hessen“, “Der Dünsberg und das Biebertal“, "Die Biebertalbahn" von Dr. Rainer Haus, "Fellingshausen, ein Dorf im Wandel der Zeit" und die verschiedenen Informationsquellen im Internet. Diese Quellen wurden auch als Grundlage für die Beschreibung der ehemaligen Bergbauanlagen genutzt.

Die Wanderung ist durch freundliche Unterstützung, Führung und Beitrag von Informationen sowie Bildern des Bergingenieurs und Obersteiger i.R Herr Franz Gareis entstanden.

Zunächst einige grundlegenden Informationen zum Bergbau.

Gruben im Bergbau:
Gruben sind Abbaustätten die sowohl oberirdisch (übertage) als auch unterirdisch (untertage) mithilfe von “Markscheiden“ in ihrem Bereich definiert sind. Oberirdisch wurde diese Grenze mit “Lochsteinen“ markiert. Der Abbau kann im Tagebau, im Stollenbau, oder im Tiefbau erfolgen. Das anfallende Grundwasser ist bei allen Abbaumethoden ein Problem und muss über Stollen oder mit Hilfe von Pumpen abgeführt werden. Die älteste Abbauform ist der Tagebau, dann folgte der Stollenbau und mit Erfindung der Dampfmaschine und Nutzung von Maschinenkraft und Pumpen, der Tiefbau über Schächte. Bevor eine Grube bergmännisch bearbeitet werden konnte, um die Erzlagerstätte auszubeuten, wurde ein Mutschein benötig. Diese bergrechtliche Bescheinigung, wurde einem “Muter“ als Bewilligungsbrief vom Bergmeister oder vom ansässigen Bergvogt erteilt. Durch den Mutschein sicherte sich der Muter beim Bergamt den Erstanspruch an der Lagerstätte und das Recht, die Lagerstätte bergmännisch zu bearbeiten. Die Genehmigung wurde dem Muter jedoch nur dann erteilt, wenn dieser zuvor den Grundstückseigentümer über die vorhandene Lagerstätte informiert hatte und dieser keinen Anspruch erhob, die Lagerstätte selbst auszubeuten. Gruben konnten gleichzeitig aus mehreren Grubenfeldern im Tagebau, Tiefbau, sowie Stollen und Schächten bestehen. Z.B. bestand die Grube Eleonore auf einer Fläche von ca. 70 Hektar mit einem Umfang von ca. 3,5 km aus mehreren Tagebauen, Stollen und Schächten. Die Förderung des Abbaumaterials konnte ebenfalls aus der gleichen Grube für unterschiedliche Abnehmer und Weiterverarbeiter erfolgen. Z.B. Eisenerz zur Erzeugung von Eisen, Mangan zur Legierung von Stahlsorten, oder wenn das Erz von minderer Qualität war, zur Farbgewinnung für Ziegel und Baustoffe.

Funktion und Arten von Stollen:
Im Allgemeinen dienen Stollen zur Verbindung der Erdoberfläche mit unterirdischen Anlagen, wie z.B. Bergwerke. Ein Stollen wird grundsätzlich waagerecht oder leicht ansteigend von der Tagesoberfläche in einen Berg getriebenen. Das Stollenmundloch ist in der Bergmannssprache die Bezeichnung für den Eingang eines Stollens. Es wird so platziert, dass es über dem Hochwasserspiegel der Talsohle liegt, damit das Grubenwasser auch bei Hochwasser noch abfließen kann. Die Stollenmundlöcher wurden mit dem sogenannten “Stollenmundlochzeichen“ in Karten eingezeichnet. Der Stollen besteht aus der Decke “Firste“, den Seiten “Stößen“ und der “Stollensohle“. In der Stollensohle befindet sich erforderlichenfalls eine Rinne für die Grubenwässer, die sogenannte Rösche oder auch Saige. Das Sohlengefälle hängt vom Zweck des jeweiligen Stollens ab. Wenn sehr schlammiges Wasser abfließen muss, ist ein größeres Gefälle erforderlich als bei Stollen, die nur der Förderung dienen. Es gibt unterschiedliche Stollenarten und Verwendungszwecke, dabei kann ein Stollen jedoch mehrere Funktionen erfüllen. Je nach Verwendungszweck des Stollens werden über das Stollenmundloch frische Wetter in den Stollen geführt (Wetterstollen) oder Grubenwässer abgeleitet (Wasserlösungsstollen). Weiterhin werden über das Stollenmundloch die gewonnenen Mineralien aus dem Bergwerk (Förderstollen) nach übertage gefördert.
Ein Erbstollen wurde von mehreren Besitzern, oder Pächtern genutzt, dafür musste ein sog. Stollenzins entrichtet werden.

Tiefbau durch Abteufen von Schächten:
Wenn es die natürliche Geländeform nicht mehr zulässt und die Lagerstätte unterhalb der Stollensohle liegt, werden Schächte benötigt. Der Schacht ist im Bergbau ein Grubenbau, mit dem die Lagerstätte entweder tonnlägig, (schräg) oder seiger (senkrecht), zur Oberfläche her erschlossen und angelegt wird. Das Niederbringen eines Schachtes wird allgemein als Abteufen bezeichnet, womit ein „In-die-Tiefe-Graben“ gemeint ist. Schächte dienen dem Transport von Personen (Seilfahrt) und Material, der Förderung der Abbauprodukte sowie der Bewetterung. Ein Schacht, der alle Funktionen vereinte, nannte man Hauptschacht. Von den Schächten ausgehend werden dann zum Erzabbau die Sohlen in den Berg getrieben. Ihrer Aufgabe entsprechend werden sie als: Fördersohle-, Wettersohle, oder zum Zweck des Abbaus der Lagerstätte die Bau,- oder Abbausohle bezeichnet. Zur Sammlung des Grubenwassers wurde die Maschinen,- oder Sumpfsohle benötigte. Ein Schacht besteht in der Regel aus mehreren Abteilungen, auch als Trumm bezeichnet. Es unterscheiden sich: Fahr-, Förder und Rohr- bzw. Leitungstrum. Der tiefste Punkt eines Schachtes ist der Schachtsumpf. Im Stollenbau konnte die Abführung von Grundwasser und die Förderung der Erzen noch manuell, mit geringem Einsatz von Energie über die waagerechte, oder leicht geneigte Stollensohle erfolgen. Im Tiefbau wurde dagegen eine umfangreiche Technik und Energie zum Betreiben der Anlage benötigt. Seit der Nutzung der Dampfkraft war diese Technik des Tiefbaus dann im großen Stile möglich. Es ermöglichte das Abpumpen der Grundwasserzuflüsse aus dem Schachtsumpf und die Förderung der Erze aus der Tiefe. Für die umfangreichen technischen Anlagen wie Kessel, Dampfmaschine, Seilscheiben etc. wurden dann aber auch stärkere Schachtgebäude erforderlich. Aus diesen hat sich dann das Fördergerüst entwickelt.

"Montangeschichte Biebertal -Teil 2" unter dem Link "Mehr anzeigen"


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Der erste Hinweis auf eine staatliche Eisenverhüttung im Biebertal stammt aus dem Jahre 1658. Sebastian Steinmüller von der Steinmühle tritt etwa einen Morgen Land unterhalb der Steinmühle zum Bau eines “Hohen Ofens“ und anderer notwendiger Gebäude, die zum Betrieb eines Eisenhüttenwerks erforderlich sind, an den Landesherren ab. Georg Steinmüller fungierte als Hüttenvogt. Der Eisenstein stammte zu dieser Zeit vornehmlich aus dem Raum Königsberg. Bereits in der ersten erhaltenen Rechnung der “Bieberer Hütte“ von 1688 findet sich aber der Hinweis auf eine Erzversorgung des landgräflichen Hochofenwerk bei der Steinmühle aus dem Bereich des späteren “Grubenfeldes Abendstern“ in der Nähe von Hof Haina. Nach einer mündlichen Überlieferung sollen die gusseisernen Ofenplatten im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Rodheim und in der Eingangshalle der Gemeindeverwaltung ursprünglich Bestandteile eines Ofens aus der Rodheimer Kirche gewesen sein, die auf der Hütte bei der Steinmühle gegossen wurden. Im Jahre 1749 wurde das Holzkohle-Hochofenwerk bei der Steinmühle und das Eisenhammer-Werk bei dem Heuchelheimer Mühlchen wegen Holzmangels im heimischen Raum eingestellt. Damit dürfte auch zunächst die Erzgewinnung bei Hof Haina zum Erliegen gekommen sein.
Die aus der Betriebszeit der Bieberer Hütte stammenden Pingen (durch Bergbau entstandene trichterförmige Vertiefungen) bei Hof Haina und der Obermühle bildeten 1843 den Ausgangspunkt für Schürfarbeiten, die zunächst der Gießener Hofgerichtsadvokat und Bergbauunternehmer Rosenberg und seit 1848 sein Kollege Briel durchführten. Nach erfolgreichen Aufschlussarbeiten etwa 500 m südlich der Steinmühle, wurde am 25 März 1850, Briel das Grubenfeld Radfeld (Pos. 02) auf Brauneisenstein bzw. Manganerz verliehen, welches er dann als Tagebau anlegen ließ. Bis zur Errichtung einer Braunsteinwäsche 1857, an dem zwischen dem Biebertal und Hof Haina gelegenen Grundbach, fand nur eine geringe Erzgewinnung statt. Dann entwickelte sich die Grube sehr günstig, sodass im Jahre 1863, 1095 Tonnen Erz gefördert werden konnten, wobei der Anteil reinen Eisenerz 400 Tonnen betrug. Im Jahre 1868 sank aber die Förderung wieder auf 384 Tonnen Manganerz. Im Frühjahr 1919 fasste Mannesmann den Entschluss, die in größerer Tiefe vermuteten Manganerzlagerstätten aufzuschließen. Dazu wurde am Ostrand vom Radfeld begonnen, einen Maschinenschacht (den Radfeld,- oder Nicolausschacht) abzuteufen. Aber schon im Oktober wurden die Arbeiten wegen mangelnder Maschinenleistung wieder eingestellt. Ende des Jahres 1920 wurde mit neuer Maschinentechnik eine Teufe von 72 m erreicht. Im Jahre 1921 wurde, erschwert durch weitere Probleme mit Wasserzuflüssen, der Schacht weiter ausgebaut und der Vortrieb einer Förderstrecke nach Osten und Westen begonnen. Die gesamte Grube Abendstern baute in diesem Jahr kein Erz ab, weil die durchschnittlich 40 Bergleute ausnahmslos im Radfeldschacht eingesetzt waren. Bedingt durch die schwierige Wirtschaftslage war man gezwungen, ab 1922 wieder Erze im Brielstollen abzubauen. Der Nicolausschacht wurde am 31. März 1925 stillgelegt. Der Schacht ist heute mit einer Betonplatte abgedeckt. Die Fundamente vom Förderturm sind noch vorhanden. Die Tagebauanlage Radfeld kann bedingt durch die bergbaulichen Veränderungen der natürlichen Geländeform noch gut erkannt werden.
Der Bereich Radfeld ist ein Teil der Grube Abendstern. Im Jahre 1865 kaufte Wilhelm Briel von dem Hainaer Landwirt Dudenhöfer dessen angrenzendes Grubenfeld »Abendstern«. Benannt hatte dieser sein Grubenfeld vermutlich in Anlehnung der benachbarten Grube »Morgenstern“, die von Buderus betrieben wurde und sich in der Gemarkung Waldgirmes befand. Der ursprüngliche “Tagebau Abendstern“ und Namensgeber befand sich ca. 200m nordwestlich von Hof Haina bzw. ca. 600 m südlich des Tagebaues Thiergarten und wird bei dieser Wanderung nicht tangiert. Die Position kennzeichnet sich heute durch eine Mischwald-Heckeninsel (siehe Bild) inmitten von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Dazu gehörte auch eine Erz-Waschanlage und eine Verladestation an der Straße nach Waldgirmes. Bei der Erzaufbereitung von manganhaltigem Braunstein wurde das mulmige Erz in Holztrögen unter fließendem Wasser gewaschen, sodass die leichteren Bestandteile mit dem Wasser abflossen, während der stückige Braunstein aufgrund seines höheren spezifischen Gewichts zurückblieb. Aus dem Jahre 1868 ist überliefert, dass an der Erzwäsche 8 Knaben und 4 Mädchen arbeiteten. Zu dieser Zeit förderte das “Grubenfeld Abendstern“ 1926 Tonnen und war für hiesige Verhältnisse geradezu ein Großbetrieb. Während der Geschichte des Erzbergbaues in Biebertal ergaben sich immer wieder Rechtsstreitigkeiten zwischen den Schürfberechtigten bzgl. Brauneisenstein (eisenhaltig) oder Braunstein.(manganhaltig). Die Belehnungen (Verleihung von Bergwerkseigentum durch den Staat) wurden entsprechend der abbauwürdigen Erze vergeben. Wenn aber beide Mineralien in dem Abbau enthalten waren, wurden diese von den Berechtigten beansprucht. Die Rechtsstreitigkeiten bzgl, Grube Abendstern endeten im Jahre 1878 durch eine außergerichtliche Einigung. Demzufolge wurden die Grubenfelder Radfeld, Abendstern, Thiergarten und Rimberg unter dem Namen “Abendstern“ konsolidiert und ab 1880 von der “Gewerkschaft Abendstern“ verwaltet. Die Fa. Jung, (Amalienhütte Wetzlar) erhielt Rimberg zu ihrem ausschließlichen Eigentum und benannte es nach einem ihrer Mitarbeiter in Gustavzeche um. Die Erschöpfung der Hochmanganhaltigen Lager führte 1899 zunächst zur Stillegung des Grubenbetriebs Abendstern. In Folge der Weltkriege und den wirtschaftlich schwierigen Situationen wurde der Erzabbau zwischen 1866 und 1958 mehrmals stillgelegt und wiedereröffnet. Die Belegschaft förderte in dieser Zeit ca. 150.000 Tonnen Erz.
Am 4. Juni 1858 wurde, etwa 300 m westlich der Grube Radfeld, ein weiteres Grubenfeld an Briel verliehen. Das Grubenfeld Thiergarten. Ein Lager mit hochmanganhaltigem Brauneisenstein mit einem Mangangehalt von 20-28%. 1881 wurde der Tagebau in diesem Grubenfeld aufgenommen. Gegen Ende des Jahres ging man durch die Anlage eines Schachtes östlich des Tagebaues zum Untertagebetrieb über. Dieser Versuch musste allerdings schon bald infolge ungenügender Bewetterung der Untertageanlage wieder aufgegeben werden. Kurze Zeit später kam es im Tagebau Thiergarten, bedingt durch begrenzten Grundbesitz und der damit entstandenen steilen Böschung zu größeren Erdbewegungen. Eine Besserung trat erst ein, als die Gewerkschaft die einzelnen Parzellen in der näheren Umgebung nach und nach gekauft hatte. Ein neuer Stollen ermöglichte 1889 den Abbau des Manganerzes unter dem Tagebau Thiergarten. Die Erzgewinnung im Tagebau wurde Anfang 1894 beendet. 1917 wurden bei Untersuchungsarbeiten durch die Fa. Mannesmann bereits wieder 1000 Tonnen, 15 prozentiges Manganerz gewonnen. Alleine im Distrikt Thiergarten wurde ein Erzvorrat von mindestens 100 000 Tonnen festgestellt. Als 1934 auch die Erzvorräte in der Stollensohle zur Neige gingen, begann man mit dem “aufwältigen“ (wieder nutzbar machen) des Brielstollens, der eine Abbauhöhe von 20 Metern bis zur Thiergartenstollensohle einbrachte. Im Jahre 1938 waren auf der Grube Abendstern 21 Bergleute beschäftigt, die 8106 Tonnen Brauneisenstein förderten. Die Tagebaugrube Thiergarten wurde verfüllt und ist heute ein Lagerplatz der Gemeinde Biebertal. Die Halden und weitere Bergbautätigkeiten, am südlichen Ende der Abbauanlage sind zwar bewachsen, lassen sich aber gut erkennen. Sie grenzen direkt an den Kelten-Römerweg.
Nachdem die Gewerkschaft Abendstern 1888 an der Bahnstrecke von Lollar nach Wetzlar auf eigene Kosten die Erzverladestelle »Abendstern« angelegt hatte, begann sie 1889 (unmittelbar hinter dem Erzlagerplatz, ca.100 Meter westlich der Reehmühle) mit dem Vortrieb eines neuen Stollens. Der »Briel-Stollen« wurde bis unter den Tagebau Thiergarten vorgetrieben und ermöglichte einen Abbau des Manganerzes unter dem Tagebau Thiergarten. Weiterhin konnte damit die Abfuhr der Erze durch den Stollen und nicht mehr über die schlecht ausgebauten Feldwege erfolgen. Am Stollenmundloch wurde ein kleines Zechenhaus errichtete, dass bis zur endgültigen Betriebseinstellung 1958 als Büro und Umkleideraum für die Bergleute diente. Zehn Jahre nach dem Bau des neuen Zechenhauses kam es bereits wieder zur Betriebseinstellung. Wilhelm Briel war inzwischen verstorben und der Königsberger Erzbergbau des Hessen-Nassauischen Hüttenvereins schon seit 1893 stillgelegt. Von wesentlicher Bedeutung für die Betriebseinstellung dürfte aber auch gewesen sein, dass die damals bekannten hochmanganhaltigen Erze abgebaut waren. Eine neue Betriebsperiode der Grube Abendstern und des Königsberger Bergbaus begann 1917 mit der Übernahme der beiden stillliegenden Grubenbetriebe durch die Mannesmann-Röhrenwerke, deren Stahlwerke dringend Mangan benötigten, das aufgrund der gegnerischen Blockade in der Zeit des Ersten Weltkrieges in Deutschland Mangelware war. Besonders Mangan war für die Produktion von Kriegsmaterial von hoher Bedeutung, weil es dem Stahl eine höhere Zugfestigkeit und eine erhöhte Härtbarkeit verleiht. Zunächst wurde der Briel-Stollen in einer Länge von 355m wieder aufgebaut und damit wieder eine Verbindung zum Thiergarten hergestellt. Das Manganerz wurde im Brielstollen und einem Schacht am Thiergarten aufgeschlossen und zum Abbau vorgerichtet. 1945 musste die Erzgewinnung erneut eingestellt werden, da der Haldenbestand 7000 Tonnen betrug und der Erzlagerplatz vor dem Briestollen erschöpft war. Bereits im 2. Weltkrieg wurden die Erze, wenn überhaupt, nur noch in geringem Umfang für die Erzeugung von Eisen und Stahl eingesetzt. Zu dieser Zeit wurde der Abbau als Farberz für Ziegel,- und Klinkerwerke verwendet. Beschwerden und Reklamationen über kleine Beimischungen aus hellem Ton oder Kalk reduzierten die Preise und führten somit zur Unwirtschaftlichkeit und Stilllegung der Anlage. Die Gebäude vor dem Mundloch des Briel-Stollens wurden abgebrochen. Mauerreste sind im Waldboden noch erkennbar. Eine Nachbildung vom Schlussstein des Brielstollens ist im Grenzsteingarten an der Toteneiche (zwischen Fellingshausen und Rodheim) ausgestellt. Das Stollenmundloch vom Radfeldstollen ist noch erhalten, jedoch ist der Stollen direkt hinter dem Eingang eingebrochen. Der ehemalige Stolleneingang ist zu Fuß, auf einer kurzen Etappe im Wald erreichbar.
1890 wurde der 1.052 m lange Ida-Stollen als Wasserlösungs- und Förderstollen angehauen und 1895 im Ostlager der Grube Eleonore beendet (obwohl die projektierte Länge einst 1.350 m betrug). Die gefüllte Lore wurde von dem „Schlepper“ über das leicht abschüssige Gleis durch den Stollen geschoben. Zunächst erfolgte die Erzförderung zur Verladestation mit Pferden, ab 1916 wurden Benzollokomotiven eingesetzt. 1907 ging man zum Tiefbau über. Es wurde im Ida-Stollen ein Blindschacht abgeteuft. Die benötigte Fördermaschine wurde durch ein eigenes Elektrizitätswerk versorgt. Das Maschinenhaus (direkt neben dem Stollenmund) wurde inzwischen zu einem Wohnhaus umgebaut. Der Stollenmund ist noch teilweise erhalten. Beides befindet sich in Privatbesitz. Im Hof eines Nachbarhauses ist der Eingang (gemauertes Gewölbe) eines ehemaligen Lagers, indem vermutlich Antriebsstoffe gelagert wurden noch sehr gut erhalten.
Pos. 07 Bergbauausstellung Bieber Die Ausstellung wurde vom Heimatverein Rodheim-Bieber e.V erstellt und betreut. Auf Infotafeln wird die Geschichte des heimischen Bergbaus und der Biebertalbahn (im Volksmund “Bieberlies“ genannt) aufgezeigt. Die Ausstellung zeigt eine Lore gefüllt mit einer Auswahl an heimischen Gesteinen und Erzen, wie z.B. den Kalkstein, Kieselschiefer, Diabas, Schalstein, Brauneisenerz (Limonit) und Roteisenerz (Hämatit). Weiterhin wird dort die Stollenplatte des ca. 180m entfernten Ida-Stollen ausgestellt. Die Jahreszahl auf der Platte sagt aus, wann der Stollen angehauen, bzw. der Bau begonnen wurde. Internet: >www.heimatverein-rodheim-bieber.de<
Wilhelm Briel, der einen großen Einfluss auf den heimischen Bergbau hatte und mit seinen unternehmerischen Initiativen als der Motor der Gewerkschaft galt, setzte sich schon 1889 für den Bau einer Kleinbahn zwischen Gießen und Bieber ein. Dieses Vorhaben konnte damals zwar noch nicht durchgesetzt werden, wurde aber später wieder aufgegriffen. Am 19. August 1898 eröffnet dann die Biebertalbahn ihren Betrieb für den Personenverkehr und am 20. Oktober des gleichen Jahres für den Güterverkehr. Die 9,5 km lange Schmalspurbahn diente insbesondere dem Transport von Kalkstein und Eisenerz aus den Königsberger und Biebertaler Gruben. Es bestand eine Verbindung zum Güterbahnhof Gießen, wo auf einem Umladegleis die Fracht verladen werden konnte. Da der Streckenverlauf die Staatsgrenze zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen überschritt, waren zwei Konzessionen erforderlich. Die Hauptkunden der Bahn waren: Buderus (Grube Friedberg), Mannesmann (die Gruben in Königsberg) der Stumm-Konzern (Grube Eleonore) und Buderus, bzw. ab 1940 Drebes für den Kalktransport. Infolge des Angebots von neu entstandenen Buslinien endete 1952 der Personenverkehr mit der Biebertalbahn. Durch die fortschreitende Globalisierung wurde der Erzabbau in Deutschland zunehmend unwirtschaftlich. Mit der Einstellung der Grube Friedberg verlor die Biebertalbahn einen ihrer drei Hauptverfrachter. Am 30. April 1963 wurde die Grube Königsberg stillgelegt, damit endete auch der Frachtverkehr auf der Biebertalbahn. Im Gebiet der Gemeinde Biebertal sind weite Teile des Bahndamms noch heute erkennbar. Die Strecke Rodheim–Bieber und der Gleisanschlusses zu den Kalksteinbrüchen sind heute als Fuß- und Radweg ausgebaut. Die 1923 gebaute Dampflokomotive von Henschel & Sohn, wird heute auf der Sauerländer Kleinbahn als Museumslokomotive eingesetzt. Von dem Heimatverein Rodheim, wurde 2016 ein Bahndamm der Biebertalbahn (bei Hof Schmitte) wieder hergerichtet. Durch Infotafeln (nahe dem ehemaligen Bahnhof Rodheim) soll an die Geschichte der “Bieberlies“ erinnert werden.
Das Kehlbachtal entwickelte sich in den Jahren des Bergbaus zu einem zentralen “Logistikcenter“ der Grubenbetriebe um den Dünsberg. Der Ida,- und Mailhart-Stollen endeten geländebedingt zwangsläufig im Kehlbachtal. Die Gruben, “Königsberg Gemarkung“ und Friedberg aus Fellingshausen förderten über Seilbahnen zu den jeweiligen Verladestellen im Kehlbachtal. Kalk wurde gebrannt und direkt verladen. Beim Bau der Bahnstrecke wurde ein Stichgleis von ca. 1 km Länge ins Kehlbachtal verlegt. Das Verladegleis verlief vom Heimat-Bahnhof in Bieber (Ortseingang Hauptstrasse) durch das Kehlbachtal, bis zur Verladestelle von Grube Friedberg. Die Erze wurden über Rutschen direkt in die Erzwagen gefördert. Die Grube Abendstern transportierte ihre Erze mit Fuhrweken von ihrer Lagerstätte an der Reehmühle zur Bahn. Weiterhin war dort auch der Steinbruch Kehlbachtal angebunden. Im Jahre 1923 waren dort fast 40 Arbeiter beschäftigt. Der Kalkstein wurde auch zum Bau der Straße von Gießen nach Gladenbach benötigt. In einer Karte, die vermutlich zu Beginn des Großherzogtum Hessen (ab 1806) gefertigt wurde, befindet sich schon ein Kalkofen im Kehlbachtal und überraschender Weise auch in Königsberg. Auf dieser Karte wird aber nur ein aktives Erzbergwerk in unserer Region angezeigt, auf Position der Grube Königsberg Gemarkung.
Das Stollen-Mundloch vom Meilhardt-Stollen befindet sich kurz hinter dem Metallsteg vor der Untertunnelung des Kehlbachs. Nachdem Untersuchungen am Westhang des Kehlbachtal ein positives Ergebnis gebracht hatten und die Erwartungen hoch waren, entschied man sich einen Förder- und Wasserlösungsstollen im Kehlbachtal anzusetzen. Um den benötigten Platz für den Abraum aus dem Stollen zu bekommen, fasste man zunächst die Kehlbach auf einer Länge von ca. 120 m mit einem Bruchsteintunnel ein. Im Jahre 1876 wurde der Bau des Meilhardt-Stollen begonnen und weiter in Richtung der Markscheide zur Grube Friedberg vorgetrieben. Eine Länge von 650 Metern wurde Im Jahre 1881 erreichte. Es stellte sich aber aus verschiedenen Gründen ein stetiger Rückgang der Förderung ein. Seinen vorläufigen Tiefststand erreichte die Jahresförderung 1880 mit 1270 t Erz. Der Meilhardt-Stollen sollte später noch als Wasserlösungsstollen für die Grube Friedberg genutzt werden, die aber dann durch Pumpen entwässert wurde.
Infolge des Ersten Weltkriegs erhöhte sich der Bedarf an manganhaltigen Erzen, was 1916 zur Wiederinbetriebnahme der Grube Friedberg führte. Nachdem die Förderung durch den Meilhardt-Stollen und einen alten Schacht nicht sehr erfolgversprechend war, wurde infolge des im Jahr 1920 neu abgeteuften Maschinenschachtes im selben Jahr eine 1060 Meter lange Drahtseilbahn vom Grubengelände Friedberg zur Erzverladestelle der Biebertalbahn (Nähe Stollenmundloch Meilhardt-Stollen) im Kehlbachtal errichtet. In der Verladestelle der Grube Friedberg konnten 2 Wagen gleichzeitig beladen werden. Bis zum 15. Januar 1924 wurden 13.899 Tonnen Brauneisenstein gefördert und über die Seilbahn zur Verladestation transportiert. Der Verladegleis der Biebertalbahn führte direkt bis zur Verladestation wo die Erzwagen befüllt wurden. (Bilder) Die Betonreste vom Fundament der Anlage sind im Bachlauf noch erhalten.
Bewetterung bedeutet Zuführung von Frischluft in die Grube. Die Grube Friedberg hatte zwei Schächte: Der Maschinenschacht und der Wetterschacht (Lüftungsschacht). Der Wetterschacht war in Holz ausgebaut, hatte die Abmessungen 2,5 x 1,5 Meter und eine Neigung von 75°. Für den Notausstieg waren Bühnen und Holzleitern (Fahrten) im Abstand von 5 Meter eingebaut. An der Tagesoberfläche stand über der Schachtöffnung eine Holzhütte mit einem größeren Ventilator. Mit ihm wurden die verbrauchten Wetter (Luft) aus der Grube gezogen. Die Frischwetter strömten durch den Maschinenschacht ein. Im Grubengebäude wird eine Strecke, bzw. ein Abbau maximal 50 Meter durch den Frischwetterstrom mit Frischluft versorgt. Danach erfolgt eine künstliche Bewetterung mit Lutten und Lüftern und sogenannten Wettertüren. Der Bergmann bezeichnet die Luft als Wetter! Wird Bergbau durch einen Stollen aus der Talsohle und einem Schacht auf Bergeshöhe betrieben, erfolgt eine natürliche Bewetterung. Im Sommer ist die Luft im Tal am Stollenmundloch wärmer. Die kältere und damit schwerere Luft im Schacht wird dadurch nach außen gedrückt. Es entsteht eine Zirkulation und der Stollen zieht aus. Im Winter ist der Verlauf umgekehrt. Diese Gegebenheit veranlasste die Bergleute schon im frühen Mittelalter der Luft den Namen Wetter zu geben und dies gilt auch heute noch.
Die Wanderung trifft nach ca. der Hälfte der Strecke auf den Grubenweg Fellingshausen. Die Infotafel, an der auch ein Flyer bereitliegt, informiert über die Geschichte der Gruben Friedberg, Elisabeth und Eleonore. Der Weg des 2,4 km langen Weges ist markiert und weist einen Höhenunterschied von 40m auf. Der höchste Punkt liegt bei ca. 300m NN. Der Grubenweg ist eingerichtet und wird betreut von der Bürgerkommune und dem Natur- und Vogelschutzverein Fellingshausen mit technischer Unterstützung durch die Seniorenwerkstatt Biebertal
Ein Türstockausbau ist eine Ausbauform für Stollen im Bergbau. Den Namen Türstock hat dieser Rechteckausbau von seiner Form, die sehr dem Türstock einer Haustür ähnelt. Er kann aus unterschiedlichen Ausbaumaterialien bestehen. Es gibt verschiedene Bauformen, z.B. den schwedischen, polnischen oder den deutschen Türstock. Der deutsche Türstock wurde vor allem im Erzbergbau eingesetzt Beim deutschen Türstock werden die Kappen mit den Stempeln verblattet. Dabei wird unterschieden, ob Firstendruck oder Seitendruck vorherrscht. Durch die unterschiedliche Gestaltung der Verblattung wird der Türstock so ausgelegt, dass er entweder den First- oder den Seitendruck besser aufnehmen kann. Bei festen Hangenden wird die Kappe direkt unter die Firste verbaut, bei gebrächem Hangenden wird ein Schalholz zwischen Gestein und Kappe gelegt. Bei großer Höhe wird ein zusätzlicher Mittelstempel verwendet. Ein realistisches Beispiel für einen eingebrochenen Türstock hat sich zufällig ergeben, als die Rekonstruktion des Türstock am “Krippenweg“ in Fellingshausen (siehe Bild) bei einem Windbruch durch einen Baum zerstört wurde. Der Einsturz ähnelt dem Bild, das sich ergeben hat, wenn der Ausbau eines Stollens durch Bergdruck nachgegeben hat.
Der Meilhardt-Stollen wurde 1918 auf 174 m repariert, aber es war nicht akzeptabel durch diesen Stollen an die Erzlagerstätten zu kommen. Es wurde daher oberhalb des Betriebsgeländes der Grube Friedberg ein kreisrunder Schacht mit einem Durchmesser von 3,34 Meter niedergebracht. Dieser hielt aber dem Druck des Kieselschiefer nicht stand. Vom Planum dieser Anlage ausgehend, errichtete die Gemeinde Fellingshausen 1930/31 den ersten Fußballplatz. Der Abbau unter diesem Sportplatz brachte aber diesen zur Absenkung. Ein fast jährliches Auffüllen durch die Sportler führte zu keinem Erfolg, sodass er 1954 aufgegeben und an heutiger Stelle neu errichtet wurde.
Die ersten schriftlich belegten Bergbauaktivitäten (Schürfversuche durch J. W. Buderus' Söhne) in der Gemarkung Fellingshausen stammen aus dem Jahre 1826. 1854 wurde ein Antrag auf Belehnung gestellt, der einen 9 Jahre andauernder Streit um die Abbaurechte auslöste. Die Streitigkeiten konnten nach intensiver Vermittlung der Oberbaudirektion am 2, Sept. 1863 in Friedberg durch einen außergerichtlichen Vergleich beigelegt werden. 1864 wurde der östliche Teil des ehemaligen Grubenfeldes Buchholz unter dem Namen Friedberg an Buderus verliehen und im selben Jahr die Erzgewinnung aufgenommen, die aber nach einigen Monaten wegen unwirtschaftlicher Qualität wieder eingestellt wurde. 1873 ließ die Fa. Buderus mehre Schürfschächte abteufen. Der Abbau des Erzes gestaltete sich aber durch das Eindringen von Grundwasser schwierig, sodass mit Erreichen des Grundwasserspiegels die Grube 1878 wieder geschlossen wurde. Im Jahre 1883 erfolgte eine neue Inbetriebnahme der Grube Friedberg. Die Voraussetzung dafür wurde durch den Wasserlösungsstollen der Grube Meilhardt geschaffen, der durch seine Nähe zur Grubenfeldgrenze mit einer Verbindung auch zu einer Entwässerung der Grube Friedberg führte. Der Grubenbetrieb wurde dann 20 Jahre nur unregelmäßig fortgeführt, bis 1903 die Grube wegen nur schwer verkäuflichem Erz erneut geschlossen wurde. Die große Nachfrage nach manganhaltigem Erz währende dem 1. Weltkrieg führte am 1. Juni 1916 zur Wiederinbetriebnahme der Grube Friedberg. 1918 wurde ein neuer Maschinenschacht abgeteuft, der 1920 die 90-Meter-Sohle erreichte. Untersuchungen, die im gleichen Jahr auf der 70- und 90-Meter-Sohle vorgenommen wurden, ergaben dass die Grube noch umfangreiche Erzvorkommen zu bieten hatte. Noch im selben Jahr wurde eine Drahtseilbahn vom Grubengelände zur Erzverladestelle im Kehlbachtal errichtet. Am 15. Januar 1924 wurde die Grube infolge Absatzmangels wegen allgemein schlechter Konjunktur erneut stillgelegt. Die 25 Bergleute wurden entlassen. Vor dem Hintergrund des Vierjahresplanes von 1936 wurde der Betrieb am 3. Mai 1937 wieder eröffnet. Nach Umfangreichen Instandsetzungsarbeiten über und unter Tage konnte die Erzgewinnung 1939 wieder aufgenommen werden. Seinerzeit wurde auf der 90-Meter-Sohle und auf der 1940 aufgefahrenen 110-Meter-Sohle das Lager weiter abgebaut. 1941 wurde die höchste Jahresförderung von 32.784 Tonnen erreicht. 1945 wurde der Betrieb abermals eingestellt, kam aber im Mai 1946 durch das Wiederanblasen des Hochofens I der Sophienhütte wieder in Förderung. 1956 wurde der Schacht um weitere 20m auf 130m abgeteuft. Die Grube Friedberg war das letzte Bergwerk am Fuße des Dünsberges. In ihr waren zuletzt 33 Bergleute beschäftigt. Die endgültige Stilllegung der Grube Friedberg, am 31. Januar 1961, wurde in erster Linie durch die Einstellung des Erzbezuges der August-Thyssen-Hütte in Duisburg und den großen Gebirgsdruck im Bereich des Schachtsicherheitspfeilers verursacht. Förderschacht und Zechenhaus wurden dadurch stark in Mitleidenschaft gezogen. Betriebszeiten: (ab 1864 – nur wenige Monate) (1873 -1878) (1883 - 1903) (1916 - 1924) (1937- 1945) (1946 - 1961)
Trotz der Bausperre während des Krieges gelang es im Jahr 1942 ein neues großräumiges Zechenhaus zu bauen. Das von dem Darmstädter Architekten Jan Hubert Pinand im Stil einer Ordensburg entworfene Sozialgebäude galt seiner Zeit als beispielhaft umgesetzte Ideologie der “Schönheit der Arbeit“. Es sollte nicht nur äußerlich eine fassadenhafte Beschönigung der Arbeitswelt sein, sondern auch funktionell. Eine Schwarz-Weiß-Kaue mit Wasch,-und Brauseraum war vorhanden und darüber hinaus sollte eine Sauna und Bestrahlungsanlage für Rheuma,- und Ischiasbeschwerden eingebaut werden. Dieses Vorhaben ist aber nicht über die Planungsphase hinausgekommen. Die Zechenanlage bestand aus Maschinenschacht, Förderturm, Seilbahn, Sozialgebäude, Maschinenhaus mit Fördermaschine und Kompressoren. Das Fundament vom Drehkolbenkompressor ist noch heute erhalten. Die vom Kompressor erzeugte Druckluft wurde in die Abbaue mit einer Rohrleitung 80 mm LW im Fahrschacht des jeweiligen Überhaues von der Hauptleitung in die Sohlenstrecke gefördert. Die Druckluftleitungen wurden im Notfall durch Klopfzeichen zur Verständigung genutzt. Eine Herausforderung stellte die Wasserhaltung im Bergbau dar. Auf der jeweils tiefsten Sohle fiel das aus dem Gebirge gelöste Grubenwasser an. Alle Strecken hatten Gefälle zum Schacht. Die Hauptstrecke die sogenannte Richtstrecke hatte seitlich eine Vertiefung, die „Rösche“. Das Wasser gelangte so zum Schachtsumpf. Der Schacht war 4 Meter tiefer als die Sohle. Der Schachtsumpf war das Auffangbecken für das Grubenwasser. Gegenüber des Füllortes (Aufgabe und Entnahme der Erz-Loren) war die Pumpenkammer. 2 mehrstufige Kreiselpumpen förderten das Wasser durch die Steigleitung nach Übertage. Die Grube Friedberg hatte einen Wasserzulauf von ca. 0,3 m3/min. Der Ablauf erfolgte durch einen Graben in der Eichwiese zur Kehlbach, das Wasser musste nicht nachbehandelt werden. Ab 1957 traten hauptsächlich im Schacht und den Füllorten größere Bergschäden auf. Auch die Fundamente und Gebäude über Tage ließen durch zunehmende Risse die Intensivierung des Gebirgsdruckes erkennen und mussten in den letzten Betriebsjahren mit erheblichem Aufwand vor dem Einsturz bewahrt werden. Der Anteil der Instandsetzungsschichten erhöhte sich ständig, bis im Januar 1961ein Anteil von 26 % aller verfahrenen Schichten erreicht wurden. Das Sozialgebäude sollte nach Schließung der Grube Friedberg zu einem Erholungsheim für die Bediensteten der Stadt Gießen umgebaut werden. Die Bergschäden verhinderten aber eine weiter Nutzung. Die Gebäude wurden abgebrochen und das Erholungsheim in ca. 200m Entfernung gebaut, das heutige Hotel Keltentor.
Die Abrisskante an der Erdoberfläche, entstanden durch den unterirdischen Hohlraum, ist deutlich erkennbar. Sie verläuft aus dem Buchholzgraben an der Sandkaute vorbei und zeigt eine Absenkung teils bis zu 4 Meter. Die Setzung wird noch einige Jahrzehnte anhalten. Von den Bergleuten der Grube Friedberg wurden insgesamt 497.881 Tonnen Brauneisenstein zu Tage gefördert. Eisenerz hat eine Dichte von 1,60 - 3,20 kg/l Bei einem Mittelwert von 2,4 kg/l ergibt sich ein Volumen von 207.450 m³. Wenn das Erz auf das Spielfeld der Commerzbank-Arena Frankfurt (68m x 105m) aufgeschichtet würde, ergäbe sich eine Höhe der Aufschüttung von 29,05 m, also ein 10-stöckiges Gebäude. In den Gruben des Biebertals (ohne Königsberg) wurden insgesamt über 2 Millionen Tonnen Erz gefördert, damit könnte das Spielfeld auf 117 m Höhe aufgeschüttet werden.
Kurz bevor man das Tagebaufeld der Grube Elisabeth erreicht, befinden sich am Buchholzgraben (linke Pfadseite) Halden aus Grube Elisabeth. Die Förderung erfolgte mit Loren in Handarbeit (Ausfahrt rechte Pfadseite) aus dem Tagebau. Die Erze wurden dann mit Pferdefuhrwerken auf dem heutigen Asphaltweg abtransportiert. Direkt am Waldrand liegt ein kleiner Teich, der durch den Buchholzgraben gespeist wird. Dieser diente während der Betriebszeit der Grube Elisabeth als Erzwaschanlage, indem die leichten nicht brauchbaren Stoffe und Erde vom Erz getrennt wurden. Die Hüttenwerke kauften nur gewaschene Erz auf. Das Grubenfeld Elisabeth entstand infolge der Auseinandersetzung nach einem etwa ein Jahrzehnt andauernden Streit zwischen Philipp Gath einerseits und J.W. Buderus Söhne andererseits über Berechtsame der Grube Friedberg. Am 18. März 1864 wurde es auf Eisenerz, Braunstein (Manganerz), Schwefelkies und Alaunschiefer belehnt und erhielt als Namen den Vornamen von Philipp Gaths Ehefrau. Im Jahre 1866 förderten 12 Bergleute 1571 Tonnen Brauneisenstein im Tagebau. Am 17. Oktober 1868 wurde das Grubenfeld Elisabeth für 6150 Taler an den Saarländischen Montankonzern Gebrüder Stumm verkauft. Nach mehreren kurzen Betriebsphasen teilte die Stummsche Bergverwaltung dem Geheimen Bergrat Riemann am 12. Januar 1895 die völlige Betriebsstilllegung der Grube Elisabeth mit. Zur Begründung hieß es, dass „der Wert der geringhaltigen Erze die dafür aufgewendeten Kosten nicht deckt“. Am 12. März 1936 ging das Grubenfeld in das Eigentum der “Buderusschen Eisenwerke“ über, die in den Jahren 1949 und 1950 Untersuchungen auf dem Grubenfeld durchführten. Der hier vorgefundene Spateisenstein erwies sich als nicht abbauwürdig.
Das „Stumme Loch“ ist nur eines der Tagebaulöcher von Grube Eleonore, aber das mächtigste, sowohl im Umfang wie Tiefe. Das Grubenfeld ist heute von Bäumen und Sträuchern umwachsen. Auf dem Grund hat sich ein See gebildet. Ein Zugang zum Grubenrand ist möglich, aber der Abstieg zum See ist steil und nicht empfehlenswert, weil Rutschgefahr besteht. Am 2. Mai 1856 wurde das Grubenfeld Eleonore in der Gemarkung Fellingshausen an den in Gießen ausgebildeten Frankfurter Eisenhändler J.M. Bastert verliehen. Die Namensgebung dürfte auf Basterts älteste Tochter, Eleonore Elisabethe, zurückgehen. Am 10. September 1864 ging das Bergwerk an die neu gegründete Fellingshäuser Bergwerks-Gesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main über. An dem Grundkapital der Gesellschaft in Höhe von 250.000 Gulden hatte Bastert eine Beteiligung von 40 Prozent. Die Abnehmer des hochmanganhaltigen Brauneisenstein waren Hüttenwerke im Saarland, Luxemburg und Ostfrankreich die es zur Verbesserung der Roheisenqualität zugaben. 1872/73 wechselte die Grube erneut den Besitzer und ging an die Gebrüder Stumm in Neunkirchen bei Saarbrücken über. Der “Roteisenstein von Grube Eleonore“ der 1893 auf der Weltausstellung in Chicago ausgestellt wurde (“dessen Güte in Deutschland nicht zum zweiten Mal vorkam“) muss einen Eisenglanz mit dem Spitzenwert von 69 % Eisen enthalten haben. Im Jahr 1917 (während des Ersten Weltkriegs) erreichte die Grube aufgrund der Rüstungsproduktion mit 325 Mitarbeitern ihren Beschäftigungshöchststand. Zu der Belegschaft, die in diesem Jahr 70.728 t Erz förderte, gehörten auch 57 ukrainische Kriegsgefangene. Die Förderung ging in den 1920er Jahren zurück, aufgrund von Absatzschwierigkeiten, Erschöpfung der Erzvorkommen und verminderter Qualität der Erze wurde die Grube am 12. März 1929 geschlossen. Die Gesamtfördermenge der Grube betrug 1.576.795 t Eisenerz.
Das Grubenfeld Meilhardt (im Vergleich zu anderen Gruben im Umfeld recht klein) wurde am 15. Dezember 1865 auf Eisenerz und Braunstein an Wilhelm Briel verliehen. Im Jahre 1866 wurden an der Markscheide zur Grube Eleonore mit 20 Bergleuten 2904 Tonnen Brauneisenstein aus einer Teufe von bis zu 17 Meter im Tiefbau gewonnen. Das absehbare Ende der Gewinnung in diesem Bereich veranlasste Briel, im Jahre 1872 zum Abteufen einer größeren Zahl von Schürfschächten. Die durchgeführten Untersuchungen (im westlichen Teil des Grubenfeldes) wurden alle auf Brauneisenstein fündig. Durch das positive Ergebnis (bei „mäßiger Schätzung“ 2.250.000 t Erz) entschloss sich die 1872 neu gegründete Aktiengesellschaft „Schalker Gruben- und Hüttenverein“ die Grube Meilhardt für 100.000 Taler (Kaufvertrag 1873) zu erwerben. Die Erwartungen schienen sich zu bestätigen als im Jahr 1873 mit 15.870 t Erz in einem neu angelegten Tagebau die höchste Jahresförderung in der Geschichte der Grube Meilhardt erzielt wurde. Funde bei Untersuchungsarbeiten am Westhang des Kehlbachtales im Jahre 1875 führten zu der Entscheidung den „Meilhardtstollen“ als Förder- und Wasserlösungsstollen im Kehlbachtal anzusetzen. Die Schätzung bestätigte sich jedoch nicht, stattdessen stellte sich ein stetiger Rückgang der Förderung ein. Der niedrige Mangangehalt des Brauneisensteinlagers führte im Januar 1886 zur Einstellung der Grube Meilhardt. Zuletzt waren 11 Bergleute auf der Grube beschäftigt.
Im Bergbau bezeichnet Halde einen künstlich aufgeworfenen Hügel, der aus dem ausgeräumten, wertlosen Material (bergmännisch Taubes Gestein) besteht, das beim Abbau von Rohstoffen anfällt. Mit den Aufschüttungen oder Kippen entledigt man sich dieses Abraums. Der Bergbau in Biebertal hat viele dieser Spuren hinterlassen. Die Halden, die aus den vielen Abbaustätten auf dem Betriebsgelände der Grube Eleonore entstanden sind, erstrecken sich fast am gesamten Waldrand zwischen Stumme Loch und Steinmühle. Sie sind meist mit Hecken bewachsen. Im Winter kann man sie besonders gut erkennen (Bilder), weil kein Laub vorhanden ist und bei Schnee zeichnen sich die Geländekonturen besonders gut ab.
Im Jahre 1872 wurde südwestlich vom großen Tagebau (Stumme Loch) ein zweiter Tagebau angelegt, das Westlager. Der in diesem Abbaugebiet abgeteufte Tagesschacht von 1908 stand soweit unter Gebirgsdruck, dass ein Einsturz in Betracht gezogen wurde, 1914 wurde deshalb ein neuer Maschinenschacht bis auf das Niveau der ersten Tiefbausohle des Westlagers abgeteuft. Durch einen 34m tiefen Versuchsschacht Im Jahre 1918 wurde erneut nachgewiesen, dass sich das Erzlagers der Grube Eleonore dort fortsetzte. 1928 kam es auf der neuen 50m Sohle des Westschachtes mehrmals zu größeren Wassereinbrüchen. Aufgrund dessen gestaltete sich der Vortrieb der Förderstrecke außerordentlich schwierig und verursachte Kosten, die in keinem Verhältnis zu der hier noch anstehenden Erzmenge stand. Daraufhin wurde der Westschacht am 15. Oktober 1928 stillgelegt. Heute weiden Schafe auf dem ehemaligen Planung der Westschachtanlage.
Die Tagebausenken erstrecken sich, wie auch die Halden der Grube Eleonore, fast über den gesamten Waldrand nördlich des Ortsteils Bieber. Die künstlichen Erdverwerfungen werden größtenteils nicht mehr landwirtschaftlich genutzt, liegen brach oder sind mit Hecken bewachsen. Auch durch diesen Umstand sind sie gut erkennbar. Eine weitere große Tagebausenke ist am Nordlager entstanden. Sie befindet sich ca. 350m östlich vom Parkplatz Obermühle, wird aber bei der Wanderung nicht eingebunden.
Um das im Tagebau angeschnittene Grundwasser aus der Grube Eleonore ableiten zu können wurde 1865 ca. 100 Meter oberhalb der Steinmühle (an der Straße Bieber – Königsberg) der 700 Meter lange August-Stollen vorgetrieben und im Jahre 1869 fertiggestellt. Der Stollen erreichte an der östlich gelegenen Grubenfeldgrenze den Tagebau. Das nicht verwertbare (taube) Material aus dem Stollenvortrieb wurde auf der gegenüberliegenden Straßenseite gelagert. Die Halden sind zwischen dem Fischteich und der Straße zu erkennen. Als weiterer Stollen wurde 1882 der “Karl-Stollen“, etwa 50m oberhalb des August-Stollens angesetzt. Benannt wurde er nach Karl-Ferdinand Stumm, dem späteren Freiherr von Stumm Halberg. Aus diesem Bereich wurde Eisenrahm sowie Eisenglanz abgebaut der (identisch mit dem auf der Weltausstellung in Chicago ausgestellten “Roteisenstein von Grube Eleonore“) mit über 69% metallischem Eisen, im internationalen Vergleich als einmalige Erzqualität galt.

3 Kommentare

  • FunMax 22.02.2019

    Ich bin diesem Trail gefolgt  Mehr anzeigen

    Sehr informative Tour in einer schönen Umgebung.

  • m.c.m.peters 13.03.2019

    Perfekt!

  • juerang 15.03.2019

    ..sehr interessante Tour / das nächste MAl bin ich dabei!

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