Woge

Koordinaten 195

Hochgeladen 16. Juli 2019

Aufgezeichnet Juli 2019

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523 m
225 m
0
1,8
3,7
7,34 km

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bei Königsberg, Hessen (Deutschland)

Der 7,3 km lange Rundwanderweg verläuft ab Parkplatz Obermühle auf dem Kelten-Römerpfad, über den Dünsberg bis zur Rekonstruktion vom Keltentor und Keltengehöft. Der Parkplatz ist mit dem öffentlichen Nahverkehr (Bushaltestelle Obermühle) zu erreichen. An der Gipfelraststätte bietet sich die Möglichkeit eine Rast einzulegen. Der Rückweg ab Keltengehöft erfolgt zunächst auf dem Asphaltweg (1 km) bis zur bedeutenden Wasserstelle Schulborn und dann auf dem Forstweg durch die ehemaligen Verhüttungsstätten und Ackerraine der Kelten, wieder zurück. Die Jahneiche steht an einer Forstweg-Kreuzung, ab dort führt der VHC-markierte Wanderpfad weiter abwärts, zurück zum Parkplatz Obermühle.

Die Route vermittelt auf 25 Wegpositionen das Leben der Kelten und ihre Zeit am Dünsberg. Es ist eine Geschichte, die teils durch Überlieferungen geschrieben, aber auch durch Ausgrabungen bestätigt wurde. Ihre Bauwerke waren im Gegensatz zu den südlichen Völkern nicht aus Stein, sondern aus vergänglichen Materialien wie Holz, Lehm und Stroh, weshalb davon nicht viel erhalten ist. Die Kelten nutzten ihre Schrift wenig, weil sie dem geschriebenen Wort nicht trauten. Die Überlieferungen von anderen Völkern (Griechen, Römern) sind aber kritisch zu betrachten, weil ihre Ansichten, bestimmt auch politisch motiviert, wiedergegeben wurden.

Die Beschreibung vom Leben der Kelten wurde mit freundlicher Unterstützung durch Günter Leicht zusammengestellt. Größtenteils stammen die Informationen in Form von Texten und Illustrationen aus seinem Buch “Ein Berg mit Geschichte“, in dem die Geschichte des Dünsberg ausführlich beschrieben wird. Die Forschungsergebnisse von Karl Reeh, der den Dünsberg zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat, gehen in das Werk mit ein. Die Beschreibung der Skulpturen stammen aus dem Flyer vom Dünsbergverein “Einen Berg entdecken“ Die Skulpturen wurden aus natürlichen Materialien erschaffen, die aus dem Boden gewachsen sind und dahin auch wieder verschwinden werden.

Der beschriebene Wanderweg ist einer von vier Rundwanderungen in Biebertal, die am Parkplatz Obermühle beginnen und enden. Alle 4 Touren haben mehr oder weniger einen gemeinsamen geschichtlichen Hintergrund, die Bedeutung von Eisen im Zusammenhang mit dem Dünsberg. “Montangeschichte Teil 1 und 2“ behandelt die Zeit des Bergbaus der letzten 200 Jahre im Biebertal, “Historische und mystische Orte im Dünsberggrund“ die Zeit von Adelshof Bensburg, der Schmidtstatt und die Eisenverhüttung im Mittelalter.
Es ist empfehlenswert, die Wanderung zunächst auf dem KR-Pfad zu beginnen. Der anstrengendste Wegeabschnitt ist somit am Anfang, wo noch alle Kräfte vorhanden sind.

Vorab eine kurze Erklärung der Epochen:
Die Epoche in der die antiken Kelten lebten, wird als “Eisenzeit“ bezeichnet.
In Mitteleuropa begann sich der neue Werkstoff Eisen ab ca. 800 v.Chr. allmählich durchzusetzen. Nach Ansicht der Archäologen endet die Eisenzeit zwischen 50 und 15 v. Chr. Die Eisenzeit wurde in eine Hallstatt- und eine Latènezeit unterteilt.

Als Hallstattzeit wird die frühe Eisenzeit, die von ca. 800 bis ca. 475 v.Chr. bezeichnet. Sie trägt den Namen, nach dem Fundort Hallstadt im Salzkammergut in Österreich, das durch ein reiches Gräberfeld in der Nähe eines antiken Salzbergwerks bekannt geworden ist.

Die Latènezeit wird nach der Fundstelle (von zahlreichen keltischen Waffen) La Tène am Neuenburger See in der Schweiz benannt. Unter dem Begriff Latènekultur fassen die Archäologen Materialgruppen, wie Schmuck, Waffen oder Töpferwaren zusammen, die ähnliche Formen aufweisen. Sie begann nach der Hallstadtzeit, also um 475 v. Chr. und endete ca. um Christi Geburt.

Die Kelten lösten durch ihr umfangreiches, völkerübergreifendes Handelsnetz eine Hochzeit in der Antike aus. Diese Handelswege kamen mit der Ausbreitung der Römer zum Erliegen und kündeten damit den Anfang vom Ende der Kelten an.
Die Geschichte, die sich vor über 2000 Jahren zugetragen, hat ist auch heute wieder aktuell, denn George Santayana (Philosoph und Schriftsteller 1863-1952) sagte:
“Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen“

{wanderaktivitätenwogebiebertal}
Nach ca. 600 m auf dem KR-Pfad kommen wir zu einer Bruchsteinmauer. Hinter der Mauereinfassung (in einer Mulde) verbirgt sich ein Ponor, auch Schluckloch genannt. In diesem Ablauf verschwindet der Wilsbach, der dann am Ausgangspunkt unserer Wanderung, am Rapppfuhl wieder hervorquillt. Es sind die Karstspalten des Kalkgebirges, die hier das Wasser aufnehmen und es nach ca. 500 m unterirdischem Verlauf wieder herausquellen lassen. Der Wilsbach begleitet uns die nächsten 500 m (auf der linken Seite des Weges) bis zu seiner Quelle, dem Saurüsselsborn, welcher einer der bedeutendsten Wasserstellen im Vorfeld der Wallanlage war. Der ausgespülte Bachlauf lässt erahnen, welche Wassermengen er in der Vergangenheit geführt hat..... Einen ähnlichen Verlauf hat die Geschichte der Kelten genommen. Ihre Geschichte beginnt ca. 700 v.Chr. und endet mit der Christlichen Zeitrechnung. Ca. 2000 Jahre später lösten sie wieder so viel Interesse aus, dass man durch Grabungen mehr über das Leben der Kelten erfahren möchte. Die Kelten kamen weder aus dem Dunkeln, noch gelangten sie durch kriegerische Einwanderung in Massen nach Europa. Es ist wahrscheinlicher, dass sie sich in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen aus lokalen Vorgängern herausgebildet haben und zu dem “Volk“ wurden, was wir heute als Kelten verstehen. Besonders im Siedlungswesen, in den Bestattungsbräuchen und in der materiellen Kultur, z.B. in der Keramikproduktion lassen sich viele Kontinuitäten über die Jahrhunderte hinweg feststellen. Interne Entwicklungen in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher oder religiöser Natur führten jedoch auch immer wieder zu kulturellen Veränderungen. Besonders die Übernahme der Eisentechnologie, ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. sollte von großer Bedeutung für den Dünsberg werden. Eigentlich können wir aber erst von Kelten sprechen, indem der Begriff zum ersten Mal in antiken Quellen erscheint. Demnach sollte das die Zeit ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. also größtenteils die Latènezeit sein. Da sich zwischen der Latènekultur und der vorausgegangenen Hallstadtkultur viele kulturelle Gemeinsamkeiten feststellen lassen, können wir aber auch die Bewohner des Dünsbergs im 7. und 6. Jahrhunderts vorsichtig als Kelten bezeichnen.
Bei der Kreuzung am Saurüsselsborn blickt man in nord-westlicher Richtung über die alten Ackeranlagen, die auch als geschichtliche Zeugnisse der Siedlungsreste am Dünsberg zu bewerten sind. Reste der ehemaligen Hangäcker sind noch in Form von Rainen und Terrassen erkennbar. Die Relikte des alten Feldanbaues ziehen sich an der Bergflanke unterhalb der Wallanlagen hin, bis zur Jahneiche, der wir auf dem Rückweg begegnen werden...... Europa wurde im ersten Jahrtausend v. Chr. noch fast vollständig von üppigen Wäldern bedeckt. Die Kelten nutzten ihre Fähigkeit der Eisenerzeugung auch, um daraus Werkzeuge zur landwirtschaftlichen Nutzung zu produzieren. Vor der Eisenzeit pflügten die Bauern mit Holzpflügen und erwirtschafteten bei mühseliger und kräfteraubender Arbeit einen bescheidenen Ertrag. Die Pflüge aus Eisen erlaubten eine effektivere Bearbeitung der Böden und damit die Wälder in fruchtbare Felder und Kulturlandschaften zu verwandeln. Sie entwickelten eine Menge verschiedener Handwerksgeräte aus Eisen, bewirtschafteten die Äcker im Wechsel und bewässerten ihre Felder. Durch die Fähigkeit der Eisenverhüttung und Schmiedekunst revolutionierten die Kelten damit auch die Landwirtschaft im europäischen Verbreitungsgebiet und waren darin den Römern und anderen antiken Kulturen somit weit überlegen. Von den Kelten wurde Viehzucht betrieben, aber nicht sehr erfolgreich. Schafe, Ziegen, Rinder und Schweine dienten als Milch-, Wolle- und Fleischlieferanten. Sie wussten, dass man mit Salz Fleisch haltbar machen konnte. Ochsen und Pferde wurden bei der Feldarbeit eingesetzt, Hunde wurden als Bewacher und Begleiter gehalten und Katzen reduzierten schon damals Ratten und Mäuse.
Vor dem eigentlichen Ringwall trifft der Wanderer auf den Ausläufer des Strahlenwalls vor Tor 4. Mehrere Strahlenwälle verlaufen abfallend vom äußeren Ringwall, jeweils von den Toren 1-4 und 6 -7 ausgehend den Hang hinunter. Es ist nicht bekannt, welche Funktion sie hatten. Aber auch damals hat niemand einen Spaten in die Hand genommen und Strahlenwälle gebaut, wenn es nicht sein musste. Das einreisen von Mauern, (durch umziehen) war eine erfolgreiche Kriegsstrategie der Römer. Die Pfostenschlitzmauern waren aber so gebaut, dass sie von den Römern nicht eingerissen werden konnten. Den äußeren Ringwall, mit einem Umfang von fast 4 km zu umstellen, erforderte eine große Anzahl Krieger, sodass die Stärke der römischen Kriegsführung (in einer Einheit anzutreten) schon durch die Spaltung aufgrund der Strahlenwälle geschwächt wurde. Die Schwachpunkte waren also die Tore! Die gut geschützten Römer konnten hinter ihren Schilden bis nahe an die Tore heranrücken und ihre Mechanismen zum Öffnen der Tore in Stellung bringen. Die Verteidiger, hinter ihren Toren konnten nur reagieren, wenn sie den offenen Kampf aufnahmen, aber dann mussten sie die Tore öffnen. Das konnte aber auch das Eindringen der Feinde zur Folge haben. Es könnte nun die Vermutung aufgestellt werden, dass die Strahlenwälle nicht wie die Schutz- Ringwälle aufgebaut waren, sondern dass sie eine getarnte Kombination aus Wall und Tunnel darstellten. Der Ausgang des Tunnels war dann bestimmt gut getarnt und gesichert. Ein Stoßtrupp hätte bei Gefahr (wenn ein Tor akut bedroht wurde) durch den Tunnel die gesicherte Wallanlage verlassen und die Angreifer von hinten überrumpeln können. Sie konnten dann feindliche Einheiten abspalten und in die Enge zwischen Ringwall und Strahlenwall einkesseln, wofür die Funktion des Walls nachvollziehbar wäre. Auf dem Strahlenwall hätten sich zudem Keltenkrieger verteilen können um die Angreifer von beiden Seiten zu attackieren. Wenn es nicht so gewesen ist, könnte es aber ein Beitrag sein, das Rätsel der Strahlenwälle zu lösen. Offensichtlich ist aber, dass die Tore des äußeren Ringwalls Schwachstellen waren und die Strahlenwälle in direkter Beziehung gesehen werden können.
Anlässlich der Fertigstellung des Keltentores im Sommer 2002 fand der Wettbewerb „keltic art“ statt. Sieben Künstler schufen Skulpturen, die eine 2000 Jahre zurückliegende Geschichte des Dünsbergs zum Thema hatten. In der Nähe von Tor 4 stehen gleich zwei Kunstwerke..... Die Wächterin: (Eine Skulptur von B.J. Antony) Beschreibung: Die im Halbrelief dargestellte Wächterin ist ein Fabelwesen der keltischen Mythologie. Der Standort am Tor IV des keltischen Oppidums erscheint daher ideal. Man vermutet, dass kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Römern und Kelten stattgefunden haben..... Göttin Andraste: (Eine Skulptur von Matthes von Oberhessen) Beschreibung: Die keltische Göttin für Krieg und Kampf. Sieg und Exzess zeigen die Schädel der besiegten Gegner zu ihren Füßen. Sie trägt Flügel und hat Krallen. Sie schaut über das Schlachtfeld vom Dünsberg aus gen Rom. Bei Ausgrabungen wurden im Vorfeld, südlich des Haupttores 4, also außerhalb des äußeren Walls, zahlreiche Waffen, Ausrüstungsgegenstände und Pferdegeschirr höchster Qualität gefunden. Ebenfalls wurden Schleuderbleie gefunden, die nachweislich von den Balearen stammen. Das nährt die Theorie, dass Ziegenhirten aus dieser Gegend die im Umgang mit den Schleuderbleien geübt waren um ihre Ziegenherde zu schützen, als römische Söldner eingesetzt wurden. Einerseits gibt es eine Theorie von den Auseinandersetzungen zwischen Römern und Kelten, andererseits wird die Meinung vertreten, dass es sich um einen Kultplatz handeln könnte, wo absichtlich Waffen und Ausrüstung zerstört wurde. Weitere Ansichten stehen im Raum, dass bei den möglichen Kampfhandlungen der Boden aufgeweicht war, weil die gefundenen Waffenteile schräg bis senkrecht im Boden steckten. Regenwetter stellte aber für die Römer keine guten Kampfbedingungen dar. Wenn es zu Kampfhandlungen bei Tor 4 und 5 gekommen ist, stellt sich somit auch die Frage, ob die Tore erfolgreich verteidigt werden konnten. Ein Überraschungsangriff aus dem Hinterhalt könnte auch eine Niederlage der Römer zur Folge gehabt haben. Aufgrund der Tatsache, dass Niederlagen von den Römern möglichst verschwiegen wurden und die Kelten keine Aufzeichnungen gemacht haben, bleibt das Thema vom Kampf um das Oppidum weiter ein Rätsel.
Drei Ringwälle umziehen die mächtige Kuppe des Dünsberg. Es sind Überreste ehemaliger keltischer Befestigungsmauern, die ihre Schutzfunktion rd. 1.300 Jahre erfüllt haben. Ihr Verlauf orientiert sich weitestgehend an den Höhenlinien. Die Ausmaße des Bauwerks sind gewaltig. Die Ringanlage umfasst eine Fläche von ca. 70 ha. Die sie umschließenden Ringwälle haben eine Gesamtlänge von ca. 9 km. Bei Grabungen 1999 wurde ein Grabungsschnitt bei Tor 4 durch den äußeren Ringwall angelegt, das zu folgenden Erkenntnissen führte: Die keltischen Mauern am Dünsberg waren Stein-Erde-Bauwerke, die von einer tragenden Holzkonstruktion gestützt wurde. Der äußere Ringwall ist als sogenannte Pfostenschlitzmauer errichtet worden. Das Pfosten-Balken-Gerüst wurde an der Vorderfront mit Trockenmauern oder Holzgeflecht ausgebaut und mit Steinen und Erde aus dem unmittelbaren Umfeld hinterfüllt, sodass an der Hinterfront eine breite Rampe entstand. Um den Wall noch besser zu schützen befand sich vor der Mauer i.d.R. ein Spitzgraben. Um ein derartiges Bauwerk zu errichten wurde eine beachtliche Anzahl an Bäumen benötigt. Bei einer Gesamtlänge von 9km und einem Pfostenabstand von 1,8 m ergibt sich nach heutigem Stand ein Volumen von 5000 Stämmen. 1000 weitere Stämme dürften für den Bau der Tore sowie der Verstrebungen innerhalb der Wallanlage verarbeitet worden sein. Die dafür erforderliche Waldfläche war enorm. Die Zahlen im Einzelnen: Oberer Ringwall: Erbaut vermutlich im 8. Jh. V. Chr. 1,0 km, zw. 7-9 m hoch, 8 ha überdeckte Fläche, Höhenlage zw. 460 u. 480 m , Wallvolumen rd. 48.000 cbm. Mittlerer Ringwall: Erbaut vermutlich im 5. Jh. V. Chr. 2,3 km, zw. 2-5 m hoch, 32 ha überdeckte Fläche, Höhenlage zw. 420 u. 430 m, Wallvolumen rd. 62.000 cbm. Unterer Ringwall: Erbaut vermutlich im 2-1. Jh. V. Chr. 3,6 km, zw. 2-7,5m hoch, 72 ha überdeckte Fläche, Höhenlage zw. 365 u. 385 m, Wallvolumen rd. 57.000 cbm. Gesamtlänge der Wälle 9,1km (einschließlich 2,2 km Strahlen und Annexwälle)
Am Südhang des Oppidum, zwischen äußerem und mittleren Ringwall waren im 1. Jh.v. Chr. terrassenartig abgestufte Wohnpodien mit kleineren Hütten und Werkstätten vorhanden, mit Hinweisen auf Metall- und Holzverarbeitung sowie Weberei. Von Tor 4 führt der KR-Pfad nun durch diese Wohnpodien den Berg hinauf zum mittleren Wall, durch Tor10 und weiter bis zum Asphaltweg. Dieser Bereich war beidseitig des Weges besiedelt. Vom Pfad aus lassen sich die terrassenartigen Wohnpodien noch gut erkennen. Im Zentralteil eines deutlich sichtbaren Podiums wurde ein kleiner Hausgrundriss mit vier Eckpfosten sowie einem Mittelpfosten ausgegraben. Im Umkreis dieses etwa 3 x 2 m großen Hauses wurden Funde geborgen, die Hinweise auf handwerkliche Aktivitäten liefern. Kalottenförmige Eisenschlacke und Eisenwerkzeuge deuten auf metallurgische Tätigkeiten. Spinnwirtel und Webgewichte auf die Produktion von Textilien. Glasringfragmente, zahlreiche Keramikteile und mehrere fragmentierte Fibeln. Und eine große Anzahl von Bruchstücken runder Drehmühlen, die auf einen Verwendungszweck hindeuten, der weit über den täglichen Bedarf an Getreideprodukten hinausging. Zusammenfassend deuten diese Befunde auf einen handwerklichen Bezirk im Oppidum hin. Wenn sich die Kelten eine Technik erst einmal angeeignet hatten, dann erwiesen sie sich schnell als Meister ihres Handwerks. Keramische Erzeugnisse sind zwar in Europa schon seit dem 5. Jahrtausend v.Chr. bekannt, aber erst in der keltischen Latènezeit wurde die schnelldrehende Töpferscheibe nördlich der Alpen aus Griechenland eingeführt. Mit ihrer Hilfe konnten ganz neue, schlankere Gefäßformen erzeugt werden. Unter den Kelten muss es auch begnadete Schmiede gegeben haben. Z.B. verraten die ca. zwei Dutzend Fragmente keltischer Kettenpanzer aus Eisen eine handwerkliche Höchstleistung. Der Durchmesser der einzelnen Ringe beträgt nur ca. 4mm. Jede zweite Reihe Ringe hat offene, abgeflachte Enden mit Nietlöchern, die nach dem Zusammenhängen der Kettenreihen mit je einem Niet geschlossen werden. Auf einem Quadratzentimeter kommen 18 Ringe, dh. etwa 200.000 Ringe pro Kettenhemd. Pferdetrensen sind in Form und Funktion mit heutigen praktisch identisch, nur dass die Damaligen wesentlich schöner verziert waren. Im Museum Keltenkeller sind viele dieser Fundstücke vom Dünsberg zu besichtigen.
(Eine Skulptur von Henrik Wienecke, Heuchelheim) Beschreibung: Blätter und Pflanzen wachsen aus dem Gesicht des grünen Mannes. Sie sind Sinnbild für die Schöpfung und das fühlende, genussvolle Leben des Menschen in der Natur. Geprägt war das keltische Volk vor allem durch ihre ländlichen Gegenden. Man empfand eine tiefe Verbundenheit zur unberührten Landschaft, den Bäumen und Pflanzen. Die Gelehrten und das Volk glaubten an übernatürliche Mächte, die für das Leben auf dieser Welt verantwortlich gemacht wurden. Natur und Mythologie waren eng verknüpft. Es ist Julius Caesar, der in einem wichtigen Hinweis über die keltische Religion sagte, dass ihre Gelehrten die Natur und die Götter erforschten und dieses Wissen der Jugend weitergeben. Verbunden waren sie besonders eng mit dem Wald, dort vollzogen sie ihre Rituale und Bräuche. Bäume und Kräuter wurden damals als sehr magisch angesehen. Vor allem Bäume beneidete man, da sie nicht nur besonders groß und mächtig waren, sondern auch sehr alt werden konnten. Dies wurde als besonders weise angesehen. Es ist einleuchtend, dass man sich um das Wissen der Kräuter bemühte, denn diese konnten für Heilung sorgen und mitunter sogar vor dem Tod bewahren. Woher all das Wissen stammte, weiß man heute nicht, doch wer sich intensiv mit der Natur beschäftigt bemerkt, dass sie dem Menschen im Grunde alles gibt, was er benötigt. Tiere bedeuteten für die Kelten viel mehr als Nahrung oder Kleidung. Für sie waren Tiere auch Geistwesen und hatten eine sehr große spirituelle Bedeutung. Sie wurden als Schutzgeister angesehen, die gerne auch als Krafttier bezeichnet wurden. Tiere galten damals als wichtige Ratgeber und wurden auch als Reiseführer in die andere Welt gesehen. Es war vor allem der Rabe, der als übernatürlich angesehen wurde. Dem Vogel schrieb man die Fähigkeit zu, in die Vergangenheit und in die Zukunft blicken zu können. Das Tier galt bei den Kelten daher als Überbringer von Heilung und wurde als Vogel der Göttin des Todes angesehen.
Die Tour führt nun zum oberen Ringwall und seinem wohl ursprünglichsten Zugang zur Gipfelburg, dem Tor 13. Der KR-Pfad verläuft in etwa so durch das Tor, wie die Zufahrt zur Zeit der Wallburg Bestand hatte. Der in seinen Abmessungen größte und interessanteste Eingang ist nach Osten angelegt. Als rechtwinkliger Einschnitt in den Wall, hat er in seiner Anlage die einfachste Form. Die Torbreite in den oberen Wallenden beträgt 14m. Die Wallkronen befinden sich 3m über der Oberfläche. Eine Besonderheit fällt bei diesem einfachen Walleingang auf. Es ist die Anlage eines Torplatzes, der durch eine vorgelagerte Rampe gebildet ist. Bis zu 20m vor dem Wall ist die Fläche eingeebnet und mit geringer Neigung nach außen versehen. Erst dann beginnt der Steilhang des Berges. Der so angelegte Torvorraum hat eine Breite von 60m. Er bildete ein vortreffliches Hindernis, gab Raum zur Verteidigung und verhinderte Gedränge bei der Aufnahme der Bevölkerung in die Gipfelburg. Um zum Torplatz zu gelangen, verlief der Weg vor dem Wall entlang, sodass die rechte Seite des Angreifers der Wehrlinie zugewandt war.
Auf dem Gipfelplateau befinden sich der 1899 erbaute Aussichtsturm und der zwischen 1975/77 erbaute, 108 m hohe Fernmeldeturm. Die Gipfelraststätte vom Dünsbergverein bietet die Möglichkeit eine Erholungspause einzulegen. Während der Öffnungszeiten (siehe >www.duensberg-verein.de<) ist auch der Zugang zum Aussichtsturm möglich. Um die Aussichten ins Lahntal oder das Hinterland zu genießen brauchten die ehemaligen Bewohner des Dünsbergs keinen Turm, denn der Berg war nicht bewaldet und es versperrten keine Bäume die Sicht. Das Gipfelplateau im Bereich seines mächtigen Ringwalls war gering besiedelt und deutet daher eher auf seinen ursprünglichen Zweck als Fluchtburg hin. Sei es durch Wassermangel oder den Witterungseinflüssen geschuldet. Dennoch war es der bestgeschützte Ort im Oppidum, wer bis hierher vorgedrungen war, musste 3 Wallanlagen überwinden. Die Frage stellt sich deshalb, wer aus der Gesellschaft durfte diesen Ort nutzen? War er nur den Privilegierten vorbehalten? Ganz oben in der keltischen Hirachie standen Fürsten, Druiden und Krieger. Wenn größere Städte entstanden, wie das Oppidum Dünsberg und immer mehr Menschen zusammenlebten, spezialisierten sie auch ihre Tätigkeiten und das Zusammenleben musste organisiert werden. Es wurde ein Fürst gewählt, der neben viel Macht auch viele Verpflichtungen hatte. Er war für das Wohl des ganzen Stammes verantwortlich. Wenn er versagte, verlor er sein Amt oder sogar sein Leben. Mit der Zeit bildeten sich verschiedene Gesellschaftsschichten, sogenannte Stände. Die Fürsten, die bis jetzt immer wieder neu gewählt wurden, begannen damit, ihre Titel zu vererben. Aber auch diese Position war nicht unantastbar. Fürsten und Könige konnten nicht weiter regieren, wenn z.B. die Bevölkerung nicht mehr ernährt werden konnte. In diesem Fall mussten die Druiden ihren Einfluss einsetzen, um die Herrschaft des Königs zu beenden. Somit geht man davon aus, dass die keltische Gesellschaft auf einem Kräftegleichgewicht zwischen ihren Führern und Druiden basierte. Unter den Fürsten und Druiden standen die Handwerker, Bauern und Händler. Noch weiter unten, praktisch ohne Rechte, waren die Sklaven. Sie mussten ihrem Herrn und Besitzer dienen. Die Kinder der Sklaven waren wiederum Sklaven und gehörten ebenfalls dem Besitzer ihrer Eltern.
“Noahs Irrtum“ (Eine Skulptur von dem Künstler Matthes 1 von Oberhessen) Beschreibung: Noah besieht sein Werk, dass er auf Wunsch seines Gottes geschaffen hat und ist verzweifelt. Sein Schiff ist in Anbetracht der nahenden Sintflut nicht tauglich. So wie die biblische Arche am Berg Ararat strandet, erleidet die Arche von Matthes ihr scheitern am Gipfel vom Dünsberg. Das Verbreitungsgebiet der Kelten reichte vom heutigen Großbritannien über die Iberische Halbinsel bis nach Anatolien in der Türkei. Zu Anatolien gehört auch der Berg Ararat, wo Noah nach den biblischen Überlieferungen gestrandet ist. Der Berg befindet sich zwar noch weiter östlich in Anatolien als ihr Siedlungsgebiet, sie hatten aber ein weitverzweigtes Handelsnetz und sollten somit auch den Berg gekannt haben. Die Kelten in Anatolien wurden als Galater bezeichnet. Sie wurden sogar nach Anatolien gerufen! Rund 20.000 keltische Söldner sollen um 278 v. Chr. nach Kleinasien beordert worden sein. Dort angekommen, terrorisierten sie die Bevölkerung und breiteten sich, bis hin zur östlichen Mittelmeerküste derart aggressiv aus, dass König Antiochos I. sie schon 275 v. Chr. mit Kriegselefanten angriff, um sie möglichst schnell wieder zu vertreiben. Diese Galater waren als Söldner auch ständig in Kriege verwickelt. In Anatolien sprachen sie noch im 4. Jhdt. n. Chr. die Sprache wie die Menschen in der Umgebung von Trier. Wo immer aber die Kelten auftauchten, ob in Kleinasien, auf dem Balkan, in Südfrankreich, Oberitalien, oder in Irland, stets war ihr Auftreten zwar mit Gewalt und Krieg verbunden, aber ebenso haben sie überall kulturelle Erzeugnisse ersten Ranges hinterlassen. Sie waren nicht nur heldenhafte Krieger, sondern auch begabte Handwerker, bewundernswerte Künstler und gewiefte Händler.
Der KR-Weg führt nun zu Tor 14, das Tangentialtor befindet sich in einem nur 60 cm hohen Riegelwall. Vermutlich wurde der mittlere Ringwall um den Ostsporn erweitert und dadurch das Wallstück mit Tor überflüssig. Es geht dann geradewegs durch den Ostsporn, zu Tor 9, das vermutlich Tor 14 ersetzte. Innerhalb des mittleren Walles fanden sich am Ostsporn Besiedlungsspuren des 2. und 1. Jh. v. Chr. Bei Kabelverlegungsarbeiten 1965, wurden in dem Kabelgraben, direkt neben diesem Pfad große Mengen verkohltes Getreide (überwiegend Gerste) gefunden, die zusammen mit Keramikfragmenten auf 100 bis 50 v.Chr. datiert werden konnten. Zwischen 1999 - 2004 wurden im Ostsporn an 3 verschiedenen Stellen Grabungen durchgeführt, und mindestens 30 Pfostenlöcher dokumentiert. Es wurden erhöhte Getreidespeicher und vertiefte Grubenhäusern gefunden. Weiterhin wurden zahlreiche Funde, von Keramik, Schmuck, Münzen, Messer, Mühlsteinfragmente aus der Eifel, bis zum italienischen Kochgeschirr zu Tage gebracht. In einer Grube wurde ein vollständiges Webgewicht gefunden, was darauf hindeuten könnte, dass in den Grubenhäusern mit treppenartiger Struktur, möglicherweise ein Webstuhl stand. Zusammenfassend deuten diese Befunde im Ostsporn auf eine Speicherstruktur hin. Das bedeutet, dass zu den Handwerksbelegen, die sich mehrfach in kellerartigen Gruben finden, auch Speicherbauten für Getreidevorräte hinzukamen, welche dort in allen Grabungsflächen in großen Mengen gefunden wurden. Bemerkenswert ist bei fast allen Befunden das Vorkommen von großen Mengen verkohltem Getreide, verbrannte Keramik, Hüttenlehm und geringe Reste verbrannter Knochen. Das alles sind deutliche Spuren eines Brandes. Die Ergebnisse aus den Bodenproben belegen, dass der Grad der Verkohlung in einer Weise ist, als ob sie offenem Feuer ausgesetzt waren. Bei den Pflanzenresten dominiert die vierzeilige Gerste gegenüber Emmer, Dinkel sowie geringe Mengen Erbsen und Linsen. Es handelt sich um gesiebtes Erntegut für Vorräte, die hier möglicherweise in Speicherbauten mit erhöhter Tenne gelagert wurden.
Den mittleren Ringwall verlassen wir bei Tor 9 und durchwandern dann weiter abwärts eines der ehemals dicht besiedelsten Wohngebiete der Keltenstadt. Durch das Ergebnis von Ausgrabungen wurden die Vermutungen aufgestellt, wo sich das Handwerk angesiedelt hatte und wo sich die Speicherstätten für Nahrungsmittel befanden. Die Häuser dieser Region haben mit den anderen Siedlungsstätten zumindest eines gemeinsam, sie wurden von Familien bewohnt. Die Position der keltischen Frauen ist unter den Gelehrten heftig umstritten. Einige Wissenschaftler argumentieren, dass die durchschnittliche keltische Frau wenige Rechte hatte und ihrem Mann in allen Angelegenheiten diente, andere meinen, dass die Frauen der Kelten ein hohes Ansehen genossen. Manche glauben sogar, dass bei den Kelten fast Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau herrschte. Es kam zwar auch bei den Kelten vor, dass Frauen und Mädchen gegen ihren Willen verheiratet wurden, aber man geht ebenfalls davon aus, dass sich viele der keltischen Frauen ihre zukünftigen Ehemänner selbst suchten und auch selbst über möglichen Nachwuchs bestimmten. Man weiß, dass es in den meisten antiken Gesellschaften völlig normal war, dass der Mann über Leben und Tod von Frauen und Kindern bestimmen konnte. Bei den Kelten hatten zwar auch die Männer das Sagen, aber die Frauen daneben vergleichsweise viele Rechte. Bei den Kelten gab es auch Fürstinnen die regierten, Kriegerinnen die mit ihren Männern kämpften und sogar Druiden, obgleich es in der zeitgenössischen Wissenschaft sehr umstritten ist.
Der weise Druide (Eine Skulptur von Wolfgang Brückner, Eibenstock) Beschreibung: Die Skulptur am Eingang zum keltischen Dünsberg sowie zum Kunstweg zeigt einen Druiden. Das geschlossene Auge steht für Innerlichkeit und das Fühlen, das offene Auge für Wachheit und Intelligenz......Der Begriff "Druide" wird vom keltischen Wort "dru“, bzw. “duir" abgeleitet, was "Eiche" bedeutet. Die Druiden galten als weise und standen weit oben in der Hierarchie der keltischen Gesellschaft. Sie verfügten über viel Wissen in der Religion, der Heilkunde, und den Wissenschaften. Sie hatten auch die Aufgabe dieses Wissen zu bewahren, bzw. an jüngere Generationen weiterzugeben. Dies alles musste durch das gesprochene Wort erfolgen, weil bei den Kelten an dem geschriebenen Wort gezweifelt, bzw. sogar als Lüge bezeichnet wurde. Die Kelten waren sehr religiös und folgten verschiedenen religiösen Riten. Das Ausführen und Einhalten dieser Riten war eine Aufgabe der Druiden, also vergleichbar mit den Priestern unserer Zeit. Sie waren Historiker, Lehrer sowie Richter und wurden von den Stammesoberhäuptern in vielen Angelegenheiten um Rat gefragt. Weiterhin waren sie Dichter und Barden und mussten sehr viel auswendig lernen. Deshalb war viel Zeit und langes Lernen (bis zu 20 Jahre) nötig um ein Druide zu werden, galt aber dennoch als begehrter Beruf. Den Druiden kamen auch Sonderstellungen zu, z.B. zahlten sie keine Steuern und mussten nicht in den Krieg, standen aber zusammen mit adeligen Kriegern weit oben in der Rangordnung der keltischen Gesellschaft. Nicht alle Druiden praktizierten auch alle diese Künste, sondern spezialisierten sich wie heute die Professoren auf das eine oder andere Fach.
Auf die drei Ringwälle um den Dünsberg verteilen sich 13 Tore zuzüglich Tor 14, das in einem Wallrest zwischen dem mittleren und oberen Wall zu finden ist. Man geht davon aus, dass der obere Ringwall ursprünglich oval und Tor 14 in diesen integriert war, bevor der Ostporn mit Tor 9 angebaut wurde. Somit verteilen sich auf den äußeren Wall 7 Tore, auf den mittleren 4 und auf den oberen 2 Tore. Die Befestigungsmauern wurden durch diese Tore für den Verkehr von Menschen, Tieren und Waren geöffnet. Sie waren Schwachstellen im Verteidigungsfall und mussten besonders geschützt werden. Die Torbauten unterscheiden sich in zwei grundlegenden Konstruktionen, das Tangentialtor und das Zangentor. Beim „Zangentor“ wird eine Torgasse in den Wall hineingebaut, an deren Ende sich das Tor befindet. Es ist die aufwendigere, aber auch geschütztere Bauweise, vielleicht noch mit einem Torhaus denkbar. Beim „Tangentialtor“ verlaufen die Wallenden parallel übergreifend zueinander. Am Schnitt bildet ein quergestelltes Tor den Abschluss. Diese Variante wurde auch für die Rekonstruktion am Parkplatz gewählt. Ziel der Rekonstruktion am Parkplatz war es, den Besuchern ganz zu Beginn die Kelten nahezubringen und ihr Können und ihre Leistungen darzustellen. Die Erkenntnisse vom Grabungsschnitt bei Tor 4 wurde bei der Planung der Rekonstruktion berücksichtigt. Aber die Sicherheitstechnischen Aspekte bei einem solchen Bauwerk und der Erhaltungsaufwand muss in Relation zur Zweckmäßigkeit gesehen werden. Die kritischen Stimmen, sollten daher die vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit anerkennen, die ein Bauwerk geschaffen haben, das uns zumindest annähernd aufzeigt welche Leistungen die Kelten vollbracht haben.
Hinter dem Keltentor wurde ein keltisches Gehöft in freier Rekonstruktion errichtet. Damit soll eine Gesamtdarstellung des Dünsbergs erreicht werden, in der die keltische Kultur eine herausragende Position einnimmt. Das Keltengehöft ist als Informations,- und museumspädagogisches Zentrum die zentrale Anlaufstation für Dünsberg-Besucher. Ausgrabungsergebnisse lassen vermuten, dass die Familien in kleinen Holzhäusern, bzw. Fachwerkhäusern mit nur einem Raum, einer offenen Feuerstelle und wenig Möbeln wohnten. Der höhenversetzte Bau der einzelnen Gebäude wurde bewusst gewählt, da dies den Besonderheiten der antiken Bebauung am Dünsberg nahekommt. Schon Karl Reeh hat festgestellt, dass sich durch die Anordnung der Hausplätze einiges ablesen lässt. Zum geordneten Zusammenleben an den Hängen müssen Wege, Pfade und Haustiergehege vorhanden gewesen sein. Auch öffentliche Plätze, kultureller und gewerblicher Art muss es gegeben haben. Er hat auch festgestellt, dass der Hauptweg innerhalb der Wallanlage hinter den Wehrmauern entlang verlief. Die Bauart des Gehöfts sollte historisch angepasst sein. Die Dächer wurden mit Holzschindeln gedeckt, die Wände bestanden aus Fachwerkgefachen mit Holzstakung und einem Lehm-Strohgemisch ausgefüllt. Das Bausystem ist in einem Wandbereich sichtbar gemacht worden. Das kleinere, als Pfahlbau errichtete Gebäude von 2,5 x 2,5 m ist eine freie Rekonstruktion eines am Ostsporn ergrabenen Lagergebäudes. Der Eintritt in das Informationszentrum (im größeren Gebäude) ist frei. Die Öffnungszeiten können auf der Internetseite des Dünsbergverein entnommen werden.
Zur Vervollständigung der Gesamtanlage Keltentor - Keltengehöft ist zwischen den beiden kleineren Gebäuden des Keltengehöfts ein Kräutergarten mit den von Kelten genutzten Pflanzen entstanden. Ein Garten, in dem die Kräuter wie sie die Kelten möglicherweise gekannt und genutzt haben, auf engem Raum in natura zu zeigen, hat aber in dieser Form in der keltischen Zeit so nicht bestanden. Die Anordnung des Pflanzgartens und die Beeteinteilung wurde der Form einer am Dünsberg gefundenen Pferdetrense nachgebildet und mit Eichenpollern eingesäumt. Vor der Auswahl der Pflanzen (2008) wurde gründlich recherchiert, welche Pflanzen in Verbindung mit den Kelten standen, denn viele heute gängigen Kräuter wurden erst von den Römern aus dem Mittelmeerraum eingebürgert. Der Kräutergarten wurde in vier Themenbereiche gegliedert: Heilkräuter, Teekräuter, Küchen,- und Gewürzkräuter und Zauberkräuter. Bei letzterem ist die magische Wirkung von Bedeutung und magisch ist eben oft auch gleich toxisch. Deshalb wurden giftige Kräuter, wie z.B. Fliegenpilz, Bilsenkraut und Tollkirsche aus Sicherheitsgründen nicht in das Pflanzbeet aufgenommen. Rund 40 Pflanzen sind gesetzt, ausgelegt oder ausgesät worden...... Beispiel Heilkräuter: Beinwell, (Borretschfamilie) aktiviert Zellbildung, Vitamin B12. Beispiel Teekräuter: Mädesüss, zum Würzen von Met, und rheumatisches Mittel. Beispiel Gewürzkräuter: Sauerampfer: Salat, oder ähnlich Spinat, viel Vitamin C. Beispiel Zauberkräuter: Königskerze: Beigabe zu Hustentee, Salben und Cremes.
Albiorix (Eine Skulptur von Gerhard Rehberg, Fernwald) Beschreibung: Der keltische Gott des Krieges und des Alls. Ein weiterer Name der Kelten für ihn war „Teu-tates“. Die an alte südamerikanische Plastiken erinnernde Skulptur begrüßt die Besucher am Kunstweg, worauf sich noch weitere keltische Gottheit-Skulpturen befinden. Die Erzählungen und Berichte über die keltische Religion der vorchristlichen Zeit erfolgte nur durch mündliche Überlieferungen. Schriftliche, direkte Quellen finden sich kaum. Danach umfasste sie Riten, Zeremonien und Institutionen zu den einzelnen Göttern und Anlässen, die man den Verstorbenen einst widmete. Die keltische Mythologie war regional sehr unterschiedlich geprägt, sodass man nicht von einer kulturellen, traditionellen oder politischen Einheit ausgeht. Daher sollten auch ihre Götter unterschiedlichsten Arten und Funktionen gedient haben. Die Archäologie lehrt uns, dass die Kelten ihre Religion unter freiem Himmel feierten. Die wichtigsten Zeremonien konzentrierten sich auf den Wechsel der Jahreszeiten, am 1. Nov. (vom Sommer zum Winter) und am 1. Mai (vom Winter zum Sommer). Zu diesen Anlässen wurden an Ihren rituellen Stätten große Feuer entfacht. In der keltischen Kultur geht es auch immer wieder um Menschenopfer, aber dass es ein fester Bestandteil der keltischen Kultur war, wird jedoch nicht angenommen. Die Kelten glaubten an eine andere Welt, die direkt neben ihrer Welt, aber auf einer anderen Ebene liegt. Der Zugang kann in einer Höhle, oder auch nur im Nebel liegen, ist aber den Normalsterblichen verwehrt. Diese Welt ist aber nicht unbedingt für Verstorbene gedacht, sondern dahinter verbergen sich „mystische Wesen“. Bei den Kelten gab es keine wirkliche Vorstellung über den Tod, ein Leben danach oder im Jenseits. Sie verehrten und glaubten an das Jahresrad, die Natur und ihr immer wiederkehrender Zyklus.
Wildschweinjäger vom Schulborn (Gerhard Rehberg, Fernwald) Beschreibung: Eine keltische Gottheit der Jagd und des Waldes. Er ist Erleger, aber auch Beschützer der Tierwelt. Geschmückt mit Wildschwein und Adler, zwei der wichtigsten Tiere der keltischen Mythologie. Weiterhin sollte ein wichtiges Detail an der Skulptur beachtet werden, die “Torque“, der keltische Halsreif, war in der Regel aus Bronze gefertigt, konnte aber auch aus Silber und sogar Gold gearbeitet sein. Sie gaben ihrem Träger Rang und Würde. Keltischer Schmuck umweht ein Hauch von Mystik und Geheimnis, genauso wie die Kelten selbst. Der Grund dafür mag in den geheimnisvollen Symbolen und Ornamenten liegen, deren Bedeutung bis heute nicht eindeutig entschlüsselt sind. Fest steht aber, dass die Kelten ihren Schmuck nicht nur zur Zierde trugen, er sollte als Talisman vor Unheil bewahren und Glück sowie Erfolg bringen. Bereits im 4. bis 3. Jahrhundert v. Chr. trug man im Lahn-Dill-Gebiet regionale „Tracht“. Ortstypische Produkte waren Nadeln bzw. Fibeln mit aufgesetzten, fein profilierten Bronzekegeln sowie Fibeln mit vasenförmigem Fußende. Daneben waren plattenförmige Gürtelhaken und Ringe mit plastischer Buckelverzierung in Mode. Die stilbildenden Elemente stammten wiederum aus dem keltischen Süden. Die Vorlagen wurden jedoch in regionalen Werkstätten neu interpretiert. Die keltische Formenwelt prägte den Dünsberg jedoch weniger als die Siedlungen im Rhein-Main-Gebiet. Erst Mitte des 1. Jahrhunders v. Chr. nahm am Dünsberg die Bedeutung regionaler Trachten wieder zu und Bronzegürtelhaken mit Tierkopf erlebten eine späte Blüte. Sehr beliebt waren Fibeln mit kugel,- oder schüsselförmigem Kopf, die auch am Dünsberg hergestellt wurden und damit zu einem blühenden lokalen Handwerk führten.
Von größter Bedeutung für die Bewohner des Dünsbergs war die Wasserversorgung. In der Blütezeit des Oppidums mussten viele Menschen sowie deren Haustiere versorgt werden. Für die Eisenverhüttung und Verarbeitung, dem wichtigsten Handelszweig, war ebenfalls Wasser erforderlich. Acht kleine Bäche fließen vom Dünsberg ins Tal, die heute teilweise nur noch wenig Wasser führen. Dass sie einmal sehr ergiebig waren, zeigen die tiefen Einschnitte im Gelände. Schulborn und Grinches Weiher sind die wichtigsten Wasserversorgungsstellen der latenezeitlichen Siedlung. Bei den Ausgrabungen 1906 – 1909 wurde der Schulborn erstmals detailliert erforscht. Das Wasserbecken, vielleicht mit einem hölzernen Brunnenhaus, hatte eine Größe von ca. 13 x 5 m und war mit Pfosten und Brettern ausgekleidet. Bei erneuter Freilegung vom Schulborn 2003 konnten das Alter der verbauten Originalhölzer relativ genau datiert werden. Es ergaben sich mehrere Bau,- und Raparaturphasen, wobei die älteste Holzdatierung eine früheste Nutzung der Quelle bereits im 4./3. Jh. vermuten lässt. Über 50 weitere Holzproben ergaben Fällzeiten von 313 v. Chr. bis 73 v. Chr. An den Längsseiten des Beckens wurden Trittplanken verlegt, die das Begehen des Beckenrandes zum Wasserschöpfen ermöglichten. Die hierfür verwendeten Eichen sind im Jahre 134 v. Chr. gefällt worden. Bei der im Jahr 2003 errichteten Rekonstruktion der keltischen Wasserstelle durch den Dünsbergverein, flossen die Erkenntnisse der Grabung mit ein. Neben dem Schulborn wurden noch weitere vier Quellen mit Holzeinfassungen festgestellt. Eine wichtige Wasserstelle im Ringwallbereich befand sich am „Hinteren Eulenkopf“ und acht weiter außerhalb der Ringwälle und im Vorfeld der Wallanlagen.
Wächter am Kleinen Dünsberg (Eine Skulptur von CAI, Bad Homburg) Beschreibung: Die filigran und zerbrechlich wirkende Skulptur, in der Nähe des Kleinen Dünsbergs, blickt nach Westen der untergehenden Sonne entgegen. Sie zeigt, dass der Schutz der Natur nicht alleine eine Frage der Kraft ist. Die längliche Erhebung des Kleinen Dünsberg (385m NN) ist in den Verlauf des unteren Ringwalls einbezogen. Die Erhebung ist durch einen Sattel, auf dem der Weg verläuft mit dem Hauptberg verbunden, dabei kreuzt der Wanderer zweimal den Ringwall. Es entsteht eine nach Norden vorspringende Bastion, die besonders nach Westen und Norden steile Hänge hat. Ca. 1,4 ha beträgt die umwallte Innenfläche, worauf sich 30 Wohnplätze befanden. Ein Großteil der Häuser stand dort, wo sich heute der Wächter befindet. Direkt unterhalb dieser Wohnsiedlung, am Westhang, befanden sich die vielen Verhüttungsstätten, wo die Eisenschmelzer und Köhler ihrer schweren Arbeit nachgingen. Vielleicht haben sie auch hier gewohnt und abends nach getaner Arbeit vor ihren Hütten gesessen und der untergehenden Sonnen nachgeblickt, so wie es der Wächter heute tut.
Eisen gewinnt in Europa ab ca. 800 v. Chr. an Bedeutung. Zur gleichen Zeit wird der obere Ringwall gebaut. In der an Eisenerzen so reichen Gegend am Dünsberg lag es nahe, dass die Eisenverhüttung sehr früh ausgeübt wurde und einen hohen Stellenwert bekam. Die in der Fachliteratur weitverbreitete Auffassung, dass die keltische Wirtschaft vor allem auf zwei Säulen, Landwirtschaft und Eisenmetallurgie ruhte, basiert mehr auf Annahmen, als auf archäologische Befunde. Die Kelten waren wohl die ersten Berg,- und Hüttenleute am Dünsberg. Erste Erzbrocken wurden vermutlich als „Lesesteine“ auf dem Boden gefunden, oder stammten aus Tagebaugruben. Die ersten Eisengießer waren wohl im Hauptberuf Bauern, die im Nebenerwerb auch als Bergleute, Köhler, und Hüttenleute arbeiteten. Später spezialisierten sich dann die Berufszweige. Erzeugung von Eisen wurde von Feuer, Rauch, Gestank und Gefahr begleitet, deshalb wurden die Arbeiten unter Umständen aus den Wohn,- und anderen Handwerksbereichen ferngehalten. Spuren von Hüttenplätzen aus dieser Zeit wurden nur am Westhang gefunden. Der Westhang des Dünsbergs brachte trotz seiner Steilheit, jedoch gute Voraussetzungen zur Eisenverhüttung. Die Standortvorteile bildeten seine natürlichen windexponierten Gegebenheiten, sowie genügend Quellen und Gewässer. Ob das Prinzip des Rennofens, wie im Mittelalter, auch schon zur Keltenzeit genutzt wurde ist nicht bekannt. Ca. 200 m vor der Jahneiche verläuft der Forstweg direkt an einem ehemaligen Hüttenplatz vorbei. Die Verhüttungsstätte befindet sich auf der rechten Seite des Weges. Auf der linken Seite, etwa 100 m bergauf, am hinteren Eulenkopf, befanden sich ebenfalls (noch im Bereich der Wallanlage) Köhler,- und Verhüttungsstätten. Später, im Mittelalter wurde der gesamte Westhang, insbesondere die Obere und Untere Schmidtstatt von diesem Gewerbe dominiert.
Die Jahneiche wurde am 26. Mai 1929 zu Ehren von Turnvater Jahn gepflanzt. Die Eiche ist ein uralter Kultbaum, vermutlich auch weil er ein sehr hohes Alter erreichen konnte. Für die Kelten war die Eiche das Sinnbild von Lebenskraft und Stärke. Von der Eiche hat sich zwar die Bezeichnung Druide abgeleitet, aber besser würde sie zu den keltischen Kriegern passen. Als „Keltoi“ (die Kelten) was so viel bedeutet, wie „die Erhabenen“ und „die Tapferen,“ so wurden sie um 450 v. Chr. von Herodot bezeichnet. Die keltischen Krieger haben schon durch ihre Körpergröße beeindruckt. Um noch größer zu wirken, tränkten sie vor dem Kampf ihre langen Haare in Kalkwasser und stellten sie hoch. Dadurch wirkten sie noch größer und furchterregender. Im 4. Und 3. Jh. v. Chr. kämpften sie rund um das Mittelmeer. Sie hatten aber in der Antike einen denkbar schlechten Ruf. Zwar bewunderten die griechischen und römischen Geschichtsschreiber ihren Mut und ihre Tapferkeit, gleichzeitig galten sie aber auch als undisziplinierte und trunksüchtige Barbaren, die nicht in der Lage waren eine funktionierende staatliche Ordnung zu bilden. Lange Zeit waren die am Rande der damals bekannten Welt lebenden „Barbaren“ für die gebildeten Griechen kaum von Interesse. Das änderte sich schlagartig in der Zeit um 400 v.Chr. als keltische Verbände die Alpen überquerten und in Italien einfielen. Im Jahre 387 v. Chr. plünderten sie das noch kleine Rom, zogen über den Balkan bis nach Griechenland und Anatolien in der Türkei, wo sie 279 v. Chr. das Orakel von Delphi plünderten. Der Weg führt nun auf einem VHC-Pfad, direkt an den Relikten der keltischen Landwirtschaft, den ehemaligen Stufenrainen und Ackerflächen vorbei, den Berg hinunter.
Auf der linken Seite die Ackerflächen der Bauern, auf der rechten Seite der Westhang mit seinen vielen Verhüttungsplätzen, Köhlerplätzen und Waldschmieden, hinter uns die Wohnpodien, wo Handwerk und Speicherstätten angesiedelt war. Die Menschen hatten verstanden, dass es effektiver war sich zu spezialisieren. Um den Warenfluss zu gewährleisten, bedurfte es einem Zahlungsmittel. Erstes eigenes "Geld" der Kelten findet sich mehr oder weniger plötzlich um 300 v. Chr. in Form der sogenannten Regenbogenschüsselchen. Ihre Erzeugnisse und Handelsgüter waren fast in ganz Europa geschätzt, woraus sich ein florierender Handel, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Keltenstadt entwickelt hatte. Demzufolge wurden am Dünsberg auch ca. 300 Münzen aus verschiedenen Regionen gefunden. Herkunft, Vorbilder und Umlauf der Münzen sind gut bekannt. Sie erlauben klare Aussagen zur kulturellen und wirtschaftlichen Einbindung der Siedlung. Eine große Überraschung war, dass zwei Drittel der Münzen lokale Prägungen sind. Die goldenen Regenbogenschüsselchen mit Drehwirbel sowie die Quinare mit dem “Tanzenden Männlein sind aller Wahrscheinlichkeit nach im Lahngebiet, wenn nicht sogar am Dünsberg selbst, entstanden und geprägt worden. Im Museum Keltenkeller: >www.verein-keltenwelten.de< sind viele dieser Funde, aus Gold, Silber und Bronze ausgestellt und beschrieben.
In der frühen Eisenzeit waren zunächst Körperbestattungen oft unter Grabhügeln üblich. Das bekannteste Beispiel ist der Fürst vom Glauberg aus dem 5. Jh. v. Chr. Ab dem 3. Jh. v. Chr. setzte sich die Brandbestattung allmählich durch. Die Verstorbenen wurden mit ihrem persönlichen Besitz (Kleidung, Schmuck, Waffen) auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Überreste wurden dann zusammen samt unverbrannten Beigaben mit oder ohne Urne in Flachgräbern beigesetzt. Die Begräbnisstätten (Nekropole) lagen oftmals abseits der Wohnsiedlungen. An einem Hang im Helfholz, ca. 2 km in nord-westlicher Richtung vom alten Forsthaus, wurde 2003 eine Nachuntersuchung einer solchen Grabstätte angelegt. Diese große Nekropole lag unmittelbar an der historisch belegten, wohl wesentlich älteren Höhenfernverbindung „Rennweg“. Auf einer Fläche von 50 x 60m wurden mindestens 20 überwiegend gestörte Urnenfelder sowie Teile des um die Raublöcher verstreuten Leichenbrandes gefunden. Durch diese Raubgrabungen gingen wichtige Erkenntnisse zum Bestattungsritual unwiederbringlich verloren. Die Auswertung der Fundstelle hat ergeben, dass die verbrannten Knochen wohl nicht vollständig vom Scheiterhaufen ausgelesen wurden. In einem Gefäß wurden sie dann in eine wenig eingetiefte Grube in Grabhügeln, Grabgärten oder dazwischen deponiert. Meist handelte es sich bei den Urnen um einfache Schüsseln. Auffallend war, dass regelmäßig ein Teil des Gefäßbodens fehlte. Bei den wenigen nicht gestörten Bestattungen war der Leichenbrand von einem Stein abgedeckt. Offen bleibt die Gesamtausdehnung des Gräberfeldes, die Anzahl der Bestattungen, Lage von Verbrennungsplätzen sowie das Verhältnis zur Besiedlung auf dem Dünsberg.
Zum Ende der Wanderung fragt man sich, was aus den Kelten geworden ist, sind sie überhaupt untergegangen? Alle Erkenntnisse basieren auf Fundobjekten und auf schriftlichen Hinterlassenschaften, die aus römischen Quellen kommen und wo vermutlich politische Absichten eingeflossen sind. Die Kelten waren nie ein Reich mit gleichen Regeln, sondern immer nur einzelne Stämme, die von ihren Fürsten oder Königen regiert wurden. Selbst ihre Götter unterschieden sich nach Regionen und Stämmen. Einzig ihre Sprache war gleich, vermutlich weil sie einen regen Handel untereinander, aber auch mit anderen Völkern betrieben. Die über die Jahrhunderte gewachsene Stabilität der keltischen Kultur, die in ihrer Blütezeit im 2. Und in der ersten Hälfte des 1. Jh. v. Chr. nahezu die Qualität einer Hochkultur erreichte (nur eine eigene Schrift fehlte) wurde in ihrer Schlussphase durch mehrere Faktoren ins Wanken gebracht, die schließlich das Ende einer eigenständigen Weiterentwicklung herbeiführte. Die anfänglichen innerkeltischen Unruhen um 100 v. Chr. führten zunächst noch zu einem erstarken der keltischen Kultur, was sich auch auf den Dünsberg auswirkte. Die Befestigung um die Stadt wurde verstärkt, die geschützte Wohnfläche vergrößert und die Wasserversorgung in die Wallanlage einbezogen und gesichert. Um 50 v.Chr. wurde Gallien und Teile der westlichen keltischen Siedlungsfläche erobert und in eine römische Provinz umgewandelt. Der Fernhandel, der wesentlich für die wirtschaftliche Grundlage der Oppida-Kultur war, kam daraufhin zum Erliegen. Dies lässt sich am besten daran erkennen, dass bestimmte Münztypen den Rhein (als Grenze zu Gallien) kaum noch überschritten. So hat auch kaum ein rechtsrheinisches Oppidum, außer dem Dünsberg, diese Zeit überdauert. Keltengruppen, die sich aus anderen Regionen zurückgezogen hatten, bewirken sogar noch eine Ausweitung der Siedlungsfläche am Dünsberg. Aber spätestens noch vor der Zeitenwände, als unter Kaiser Augustus die Stadt Waldgirmes als mittelhessisches Machtzentrum errichtet wurde, muss auch der keltische Dünsberg ein Ende gefunden haben.

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